Jetzt haben sie sich endlich belohnt. Die Regensburg Adler feiern ihren ersten Sieg in der 3. Liga und setzen damit ein deutliches Ausrufezeichen. Im direkten Aufsteigerduell beim TSB Schwäbisch Gmünd setzte sich die Mannschaft von Trainer Benni Herth nach einem intensiven Kampf mit 31:27 durch. Vor 800 Zuschauern zeigten die Adler über 60 Minuten Leidenschaft, Nervenstärke und vor allem eines: Sie sind endgültig in der neuen Spielklasse angekommen. Zur Halbzeit hatte Regensburg knapp mit 14:13 geführt.
Dabei waren die ersten beiden Saisonspiele trotz der Niederlagen bereits ein Vorgeschmack darauf, was in der Mannschaft steckt. Beim amtierenden Meister Kornwestheim verkauften sich die Adler teuer, auch beim HC Erlangen II hielten sie über weite Strecken dagegen. Was bislang fehlte, war die Belohnung in Form von Punkten. In Schwäbisch Gmünd sollte sich das ändern.
Die Bedeutung der Begegnung war allen Beteiligten bewusst. Herth hatte das direkte Aufsteigerduell bereits im Vorfeld als „Vier Punkte Spiel“ bezeichnet. Beide Teams hatten sich im Sommer als Meister ihrer jeweiligen Regionalliga für die 3. Liga qualifiziert. Die Jets hatten vor der Begegnung bereits zwei Punkte auf dem Konto, Regensburg noch keinen. Entsprechend wertvoll ist der Auswärtserfolg gegen einen direkten Konkurrenten.
Und die Adler waren dabei keineswegs allein. Einige Regensburger Fans nahmen die fast 300 Kilometer lange Anreise auf sich und unterstützten ihre Mannschaft von der Tribüne.
Von Beginn an war zu spüren, dass Regensburg unbedingt etwas mitnehmen wollte. Die Adler agierten mutig, gingen mit Tempo nach vorne und erspielten sich früh einen Vorsprung. Einen ganz persönlichen Meilenstein feierte dabei Jan Wilsdorf, der nach knapp sechs Minuten beim 2:1 sein erstes Drittligator erzielte. Wenig später hatte sich die SG beim 6:3 erstmals auf drei Treffer abgesetzt.
Eigentlich wäre in dieser Phase sogar ein deutlicherer Vorsprung möglich gewesen. Mehrfach hatten die Adler die Chance, auf vier oder fünf Tore davonzuziehen. Technische Fehler verhinderten jedoch, dass die Mannschaft früh für klarere Verhältnisse sorgte. Schwäbisch Gmünd nutzte die Regensburger Ungenauigkeiten, glich zum 6:6 aus und brachte sich zurück in die Partie.
Vor allem Niklas Burtsche stellte die Regensburger Defensive immer wieder vor Probleme. Der Topwerfer der Jets bestätigte seine starke Form und kam am Ende auf insgesamt elf Treffer. Gemeinsam mit Tom Abt gehörte er zu den zentralen Figuren im Angriff der Gastgeber.
Die Jets hatten ihrerseits einen klaren Plan für den Regensburger Angriff. Sebastian Simbeck wurde eng bewacht und mit einer Manndeckung weitgehend aus dem gewohnten Spiel genommen. Doch genau darauf fanden die Adler Antworten.
Was bereits die Meistersaison in der Regionalliga ausgezeichnet hatte, wurde auch diesmal zum großen Plus: Regensburg ist offensiv nur schwer auf einen einzelnen Spieler zu reduzieren. Wenn einer aus dem Spiel genommen wird, übernehmen andere Verantwortung.
Und an diesem Abend war das insbesondere Tom Weikl.
Der Rückraumspieler lieferte eine herausragende Vorstellung ab. Mit zehn Treffern war er bester Regensburger Torschütze und sorgte immer wieder mit sehenswerten Abschlüssen aus dem Rückraum für wichtige Tore. Weikl übernahm Verantwortung und war ein entscheidender Faktor dafür, dass die Adler auch dann Lösungen fanden, wenn Schwäbisch Gmünd defensiv den Druck erhöhte.
Die Jets hielten dagegen und übernahmen zwischenzeitlich selbst die Führung. Doch Regensburg ließ sich davon nicht beeindrucken. Statt nach den eigenen Fehlern den Faden zu verlieren, kämpfte sich die Mannschaft zurück und holte sich vor der Pause die Führung wieder. Mit einem knappen 14:13 ging es in die Kabine.
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung auf Messers Schneide. Beim 20:20 war nach rund 40 Minuten weiterhin alles offen. Die Adler hielten dagegen, standen defensiv zunehmend kompakter und bewahrten auch in engen Situationen die Ruhe.
„Wir sind vor allem über eine extrem solide Abwehr gekommen und haben auch im Angriff sehr erwachsen gespielt“, analysierte Felix Dettenthaler später. Der Neuzugang bestätigte mit drei Treffern erneut seine starken Leistungen der vergangenen Wochen. „Am Ende war es ein verdienter erster Sieg.“
Dann folgte zwischen der 41. und 43. Minute die Schlüsselszene der Partie. Nach einem harten Foul von Andreas Maier an Sebastian Simbeck musste der Gmünder für zwei Minuten vom Feld. Kurz darauf folgte ein Wechselfehler der Gastgeber, ehe auch Trainer Aaron Fröhlich eine Zeitstrafe erhielt. Die Jets gerieten dadurch innerhalb kürzester Zeit in eine schwierige Unterzahlsituation.
Und diesmal waren die Adler eiskalt.
Regensburg spielte die numerische Überlegenheit konsequent aus. Aus dem 20:20 wurde ein 24:20. Einen besonderen Momente hatte dabei Torhüter Bálint Kaiser, der den Ball ins verwaiste Gmünder Tor beförderte und sich selbst in die Torschützenliste eintrug. Die Adler hatten die entscheidende Schwächephase des Gegners erkannt und erstmals ein kleines Polster zwischen sich und die Jets gelegt.
Herth sah genau darin einen wichtigen Faktor: „Wir haben die Räume in der Abwehr eng gemacht, den Ball vorne gut laufen lassen und die Phase mit den Überzahlsituationen gut genutzt.“
Doch wer glaubte, die Partie sei damit entschieden, täuschte sich. Schwäbisch Gmünd gab sich nicht geschlagen. Spielmacher Abt musste nach einer Verletzung zwischenzeitlich vom Feld, konnte später jedoch wieder eingreifen. Die Jets kämpften sich noch einmal heran und waren beim 25:26 in der 53. Minute plötzlich wieder bis auf einen Treffer dran.
Die Halle war da, die Jets waren zurück und der zuvor herausgespielte Vorsprung fast aufgebraucht. Doch Regensburg brach nicht ein. Die Adler behielten den Kopf oben, kämpften in der Defensive um jeden Ball und spielten ihre Angriffe weiter mit Überzeugung aus.
Eine entscheidende Rolle spielte dabei Jan Wilsdorf. Der Kreisläufer erzielte in dieser wichtigen Phase zwei Treffer und half damit, den erneuten Gmünder Angriff abzuwehren. Insgesamt gelangen ihm sechs Tore. Nach seinem ersten Drittligatreffer zu Beginn der Partie entwickelte sich der Abend damit zu seinem bislang stärksten Auftritt in der neuen Spielklasse.
Wilsdorf selbst stellte anschließend jedoch die Mannschaft in den Mittelpunkt: „Es war eine klasse Mannschaftsleistung. Wir haben über 60 Minuten den Kopf oben behalten, waren emotional da und haben super gekämpft. Diese ersten zwei Punkte machen uns unglaublich stolz.“
Genau diese Einstellung prägte den Regensburger Auftritt. Die Adler ließen sich weder von den eigenen technischen Fehlern in der ersten Halbzeit noch von den Führungswechseln oder der Gmünder Aufholjagd aus der Ruhe bringen. Als es in der Schlussphase darauf ankam, war die Mannschaft da.
Passend zu seinem herausragenden Abend setzte Weikl mit seinem zehnten Treffer schließlich den Schlusspunkt zum 31:27.
Nach der Schlusssirene war die Erleichterung entsprechend groß. Die Adler hatten nicht nur ihre ersten beiden Punkte geholt. Sie hatten sie sich in einer engen Partie erkämpft und in den entscheidenden Momenten die nötige Reife gezeigt.
„Wir freuen uns mega über den ersten Sieg in der Dritten Liga. Der war hart umkämpft“, sagte Herth. Besonders stolz machte ihn die Reaktion seiner Mannschaft nach den beiden Auftaktniederlagen: „Wir haben viel investiert, den Kopf oben behalten und uns die Auswärtspunkte verdientermaßen geholt.“
Der Sieg in Schwäbisch Gmünd zeigt zugleich, wie viele unterschiedliche Spieler bei den Adlern Verantwortung übernehmen können. Die Manndeckung gegen Sebastian Simbeck wurde aufgefangen, Weikl lieferte aus dem Rückraum eine überragende Partie und Wilsdorf setzte am Kreis ein Ausrufezeichen. Dahinter stand eine Defensive, die in den entscheidenden Phasen den nötigen Zugriff fand, ohne dabei eine Zeitstrafe zu kassieren.
Nach den ersten beiden Spielen konnte man bereits erahnen, dass die Adler auf Drittliganiveau mithalten können. Seit Samstag steht fest, dass sie dort auch gewinnen können.
Jetzt folgt der nächste Höhepunkt. Am kommenden Samstag feiern die Regensburg Adler ihre Heimpremiere in der 3. Liga. Um 16 Uhr gastiert die HSG Konstanz in der Sporthalle Königswiesen, dem neuen Wohnzimmer der Adler.
Dettenthaler richtet den Blick bereits nach vorne: „Ich freue mich, dass jetzt das erste Heimspiel ansteht. Wir geben alles, damit wir auch da die nächsten zwei Punkte holen können.“
Nach dem gewonnenen „Vier Punkte Spiel“ und den ersten Zählern im Gepäck darf sich Regensburg nun auf einen historischen Handballnachmittag freuen. Das Motto für Samstag ist klar: Alle in die Halle für das erste Drittliga Heimspiel der Regensburg Adler!
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Text: Romy Mulitze
Bild: Sibel Bayar
