Zwei Aufsteiger, ein gemeinsames Ziel und eine Partie, in der keiner etwas herzuschenken hat: Für die Regensburg Adler steht am Samstagabend das dritte Auswärtsspiel ihrer ersten Drittligasaison auf dem Programm. Um 19.30 Uhr gastiert die Mannschaft von Trainer Benni Herth beim TSB Schwäbisch Gmünd. Nach den anspruchsvollen Aufgaben beim amtierenden Meister Kornwestheim und beim HC Erlangen II wollen sich die Adler diesmal für ihre bisherigen Leistungen belohnen.

Die Ausgangslage verspricht Spannung. Beide Mannschaften feierten in der vergangenen Saison die Meisterschaft in ihrer jeweiligen Regionalliga und schafften damit den Sprung in Deutschlands dritthöchste Spielklasse.

Der Aufstieg des TSB war dabei wie bei den Adlern ein historischer Erfolg. Bereits drei Spieltage vor Saisonende stand die Meisterschaft in der Regionalliga Baden Württemberg fest. Insgesamt feierten die Jets 22 Siege in 30 Spielen und knackten am letzten Spieltag sogar die Marke von 1000 Saisontoren. Bemerkenswert ist zudem die Zusammensetzung des Meisterteams: Alle Spieler stammten aus der Region, ein Großteil wurde im eigenen Nachwuchs ausgebildet. Das Durchschnittsalter lag bei lediglich 24,7 Jahren.

Auch in der 3. Liga setzen die Jets weitgehend auf ihr eingespieltes Aufstiegsgerüst. Besondere Aufmerksamkeit dürfte der offensiven Achse um Tom Abt, Niklas Burtsche und Stefan Scholz gelten. Abt war in der vergangenen Saison mit 197 Treffern bester Feldtorschütze der Regionalliga Baden Württemberg, Linksaußen Burtsche kam sogar auf 216 Tore und Scholz steuerte weitere 115 Treffer bei.

Dass dieses Trio auch eine Liga höher für Gefahr sorgt, zeigte sich beim ersten Drittligaheimsieg gegen die Rhein Neckar Löwen II. Abt und Burtsche erzielten jeweils sieben Treffer, Scholz traf sechsmal. Damit gingen 20 der 32 Gmünder Tore auf das Konto dieser drei Spieler.

Auch die Adler brachten reichlich Torgefahr aus ihrer Meistersaison mit. Mit 910 Treffern in 26 Spielen stellte die SG den mit Abstand besten Angriff der Regionalliga Bayern. Das Besondere daran war die Breite des Kaders. Die Regensburger waren offensiv nie von einem einzelnen Goalgetter abhängig, sondern konnten auf nahezu allen Positionen Torgefahr entwickeln.

Erfolgreichster Adler war Sebastian Simbeck mit 130 Toren in 25 Partien und Rang acht der gesamten Torschützenliste. Dahinter unterstrichen Tom Wuka mit 115, Tom Weikl mit 104 und Johannes Simbeck mit 93 Treffern die Ausgeglichenheit im Regensburger Angriff. Allein dieses Quartett erzielte zusammen 442 Tore.

Diese Variabilität ist auch in der neuen Spielklasse bereits zu erkennen. Beim Auftakt gegen Kornwestheim war Sebastian Simbeck mit acht Treffern erfolgreichster Adler und wurde zum MVP gewählt. Eine Woche später war sein Bruder Johannes beim HC Erlangen II mit neun Toren Regensburgs bester Werfer. Während bei den Jets mit Burtsche, Abt und Scholz ein besonders torgefährliches Trio hervorsticht, soll bei den Adlern erneut die Breite im Angriff zum Faktor werden.

Dass Schwäbisch Gmünd auch eine Etage höher bestehen kann, bewies die Mannschaft bereits am vergangenen Wochenende. Nach einer 25:33 Niederlage zum Auftakt beim VfL Pfullingen feierten die Jets bei ihrer Drittligaheimpremiere einen umjubelten 32:31 Erfolg gegen die Rhein Neckar Löwen II.

Für Adlertrainer Benni Herth ist deshalb klar, was seine Mannschaft am Samstag erwartet. „Das wird sicherlich ein Duell auf Augenhöhe“, sagt Herth. Der Erfolg am vergangenen Wochenende dürfte den Jets zusätzliches Selbstvertrauen gegeben haben. Gleichzeitig erwartet der Regensburger Coach eine besondere Atmosphäre: „Volle Hütte, Bombenstimmung und ein Gegner, der mit entsprechender Härte an die Sache rangeht.“

Die Adler reisen dennoch mit Selbstvertrauen nach Schwäbisch Gmünd. Beim amtierenden Meister Kornwestheim hielt die SG die Partie bis in die Schlussphase offen und musste sich mit 36:40 geschlagen geben. Auch beim 31:37 gegen Erlangen II waren gute Phasen zu erkennen. Was bislang fehlte, war die nötige Konstanz über die gesamten 60 Minuten.

Genau dort setzt Tom Weikl vor dem Aufsteigerduell an. „Wir haben in den letzten Wochen immer wieder bewiesen, dass wir in diese Liga gehören und dranbleiben können“, sagt der Adlerspieler. „Über 60 Minuten hat es noch nicht gereicht, das konsequent abzurufen und auf den Sieg zu gehen.“

Anders als in den ersten beiden Saisonspielen begegnet Regensburg diesmal einem Team mit einer vergleichbaren Ausgangslage. Zum Auftakt wartete der amtierende Drittligameister Kornwestheim, anschließend der Vorjahresfünfte Erlangen II. Nun treffen zwei Mannschaften aufeinander, die erst in diesem Sommer den Schritt aus der Regionalliga in die 3. Liga geschafft haben.

„Es treffen zwei Mannschaften aufeinander, die zeigen wollen, dass sie in diese Liga gehören“, bringt Weikl die besondere Konstellation auf den Punkt.

Zusätzliche Brisanz verspricht die Kulisse in der Großen Sporthalle. Schon beim ersten Heimspiel sorgten 850 Zuschauer für einen nahezu vollbesetzten Hexenkessel. Die Adler müssen sich somit nicht nur auf einen selbstbewussten Gegner, sondern auch auf eine lautstarke Atmosphäre einstellen.

Herth will dem mit breiter Brust begegnen: „Jetzt wollen wir uns für die harte Arbeit in den letzten Wochen belohnen. Wir werden alles in die Waagschale werfen und sicherlich nicht klein beigeben.“

Während Schwäbisch Gmünd nach dem Heimsieg gegen die Rhein Neckar Löwen II bereits zwei Zähler auf dem Konto hat, wartet Regensburg noch auf das erste Erfolgserlebnis. Entsprechend klar formuliert Weikl das Ziel für Samstag: „Wir fahren nach Schwäbisch Gmünd, um dort unsere ersten beiden Punkte zu holen.“

Für die Adler kommt es darauf an, die guten Phasen aus den ersten beiden Partien diesmal über die gesamte Spielzeit abzurufen. Im direkten Duell der beiden Aufsteiger bietet sich die nächste Gelegenheit, die bisher gezeigten Ansätze erstmals auch mit Zählbarem zu belohnen.

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Text: Romy Mulitze 
Bild: Hans-Jürgen Krieg