Was für eine Schlussphase im Adlerhorst! Die Regensburg Adler trennen sich von der SG Pforzheim/Eutingen mit 30:30 (15:16) und bleiben damit auch im vierten Heimspiel ihrer ersten Drittligasaison ungeschlagen. Nach einem starken Auftakt gerät die Mannschaft von Trainer Benjamin Herth zunehmend unter Druck, kämpft sich jedoch mit einem überragenden Andreas Wieser im Tor und einem lautstarken Publikum zurück. Für reichlich Diskussionen sorgt eine umstrittene Schlussszene, bei der einer der Schiedsrichter den entscheidenden Regensburger Passweg blockiert.
Starker Beginn, doch die Adler verlieren ihren Rhythmus
Nach dem umjubelten Auswärtssieg bei den Wölfen Würzburg wollten die Regensburg Adler ihren Höhenflug vor heimischer Kulisse fortsetzen. Gegen die erfahrene SG Pforzheim/Eutingen erwischte die Mannschaft von Trainer Benjamin Herth zunächst einen Auftakt nach Maß.
Lukas Dude eröffnete die Partie, Johannes Simbeck und Sebastian Simbeck legten nach. Die Regensburger verteidigten das Angriffsspiel der Gäste mit sieben Feldspielern aufmerksam und nutzten ihre Chancen konsequent. Bereits nach knapp zehn Minuten führten die Adler mit 8:3, wenig später erhöhte Jonas Schmidt auf 9:4.
Doch Pforzheim ließ sich nicht abschütteln und fand zunehmend besser ins Spiel. Während die Gäste ihre Angriffe geduldig ausspielten, verloren die Adler nach und nach ihren Rhythmus. Die Begegnung wurde zerfahrener, das Tempo nahm ab und die Regensburger ließen sich immer stärker auf die Spielweise des Gegners ein.
Aus der komfortablen Führung wurde innerhalb weniger Minuten ein 9:9. Zwar gelang es den Adlern anschließend noch einmal, auf 15:13 davonzuziehen, doch Pforzheim drehte die Partie kurz vor der Pause. Mit einem 15:16 Rückstand ging es in die Kabinen.
„Wir sind gut ins Spiel gekommen, haben das Sieben gegen sechs ordentlich verteidigt und ziehen früh weg. Leider schaffen wir es dann nicht, konsequent zu bleiben“, analysierte Herth.
Pforzheim übernimmt, Wieser hält die Adler im Spiel
Auch nach dem Seitenwechsel fanden die Regensburger zunächst nicht zu ihrer gewohnten Stärke zurück. Während sich die Adler im Angriff weiterhin schwertaten, nutzten die Gäste ihre Möglichkeiten und bauten den Vorsprung beim 18:21 in der 39. Minute erstmals auf drei Treffer aus.
Doch auf einen konnten sich die Regensburger in dieser Phase besonders verlassen: Andreas Wieser!
Der Adler-Keeper brachte die Pforzheimer Angreifer mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung. Mit einer beeindruckenden Haltequote von 47 Prozent in der zweiten Halbzeit verhinderte er, dass sich die Gäste entscheidend absetzen konnten.
Gleichzeitig verwandelte sich die Sporthalle Königswiesen in einen echten Hexenkessel. Die Zuschauer standen in der zweiten Halbzeit über weite Strecken und feuerten ihre Adler lautstark an. Jeder gehaltene Ball, jeder gewonnene Zweikampf und jeder Treffer wurde frenetisch gefeiert.
Angetrieben von dieser Unterstützung kämpften sich die Regensburger Stück für Stück zurück. Tom Weikl und Jonas Schmidt sorgten mit wichtigen Treffern dafür, dass der Rückstand nicht weiter anwuchs. Doch Pforzheim blieb hartnäckig und behauptete bis weit in die Schlussphase hinein seine Führung.
Adlerhorst bebt bei dramatischer Schlussphase
Die letzten Minuten hatten es noch einmal richtig in sich. Beim 25:26 waren die Adler wieder bis auf einen Treffer herangekommen. Felix Dettenthaler sorgte in der 55. Minute schließlich für den umjubelten 26:26 Ausgleich.
Doch die Gäste antworteten und zogen erneut auf 26:28 davon. Die Partie schien den Regensburgern langsam zu entgleiten. Doch jetzt zeigte sich, was den Adlerhorst in dieser Saison so besonders macht!
Getragen von ihren Fans kämpften sich die Adler erneut zurück. Felix Dettenthaler traf innerhalb weniger Sekunden doppelt zum 28:28. Nach der erneuten Pforzheimer Führung verwandelte Tom Weikl einen Siebenmeter zum 29:29.
Dann die 60. Minute!
Sebastian Simbeck brachte die Adler 41 Sekunden vor Schluss mit seinem Treffer zum 30:29 erstmals seit der Anfangsphase der zweiten Halbzeit wieder in Führung. Die Halle stand Kopf, der vierte Heimsieg war plötzlich zum Greifen nah!
Doch Pforzheim hatte noch eine Antwort. Sieben Sekunden vor dem Ende gelang Felix Schmitt der Ausgleich zum 30:30.
Was anschließend folgte, sorgte für großes Unverständnis auf Regensburger Seite. Die Adler wollten den Ball unmittelbar nach dem Gegentreffer noch einmal schnell nach vorne bringen. Doch beim entscheidenden Pass stand ausgerechnet einer der beiden Schiedsrichter im Weg und verhinderte damit die geplante Aktion.
Statt die Situation noch einmal ausführen zu lassen, wurde die Partie beendet. Eine Entscheidung, die bei Spielern und Zuschauern für reichlich Kopfschütteln sorgte. Besonders bitter: In einer Begegnung, die bis zur letzten Sekunde völlig offen war, blieb den Adlern damit die Möglichkeit auf einen abschließenden Torwurf verwehrt.
So blieb es beim 30:30 Unentschieden, das sich nach dieser turbulenten Schlussphase für die Regensburger durchaus zwiespältig anfühlte.
Wieser überragt, Dettenthaler mit sieben Treffern
Für seine starke Leistung wurde Felix Dettenthaler von den Zuschauern zum „Adler des Spiels“ gewählt. Mit sieben Treffern und besonders wichtigen Toren in der dramatischen Schlussphase hatte die Nummer 47 großen Anteil am Punktgewinn. Die MVP-Wahl wird von der LVM Versicherung Jürgen Kraus präsentiert.
Neben der starken Moral in der Schlussphase war vor allem Andreas Wieser ein entscheidender Faktor für den Punktgewinn.
„Erstmal freue ich mich darüber, dass wir am Ende eines zähen Spiels unsere Serie zuhause ausbauen konnten und in Regensburg weiterhin ungeschlagen sind. Zudem bin ich auch ganz glücklich darüber, der Mannschaft langsam ein bisschen mehr helfen zu können als zu Beginn der Saison“, zeigte sich Wieser nach der Partie zufrieden.
Erfolgreichster Regensburger Torschütze war erneut Tom Weikl mit neun Treffern, davon vier verwandelten Siebenmetern. Felix Dettenthaler überzeugte mit sieben Toren, Jonas Schmidt steuerte fünf Treffer bei und Sebastian Simbeck traf viermal.
Aufseiten der Gäste war Jona Willi Mauch mit fünf Toren erfolgreichster Werfer.
Herth sieht glücklichen Punktgewinn
Trotz der dramatischen Schlussphase und der umstrittenen Entscheidung der Unparteiischen wollte Trainer Benjamin Herth die eigene Leistung nicht schönreden.
„Es war eine etwas komische Stimmung am Samstag, sowohl in der Mannschaft als auch in der Halle. Pforzheim hat das aus taktischer Sicht ziemlich entspannt angehen lassen und wir haben uns leider darauf eingelassen“, erklärte der Adler-Coach.
Insbesondere in der zweiten Halbzeit sah Herth seine Mannschaft über weite Strecken im Hintertreffen. Deshalb fiel sein Fazit trotz der verpassten Siegchance selbstkritisch aus.
„Es ist glücklich, dass wir noch einen Punkt mitnehmen. Zwei Punkte wären vielleicht zu viel des Guten gewesen. Aber Pforzheim ist eine gute Mannschaft, die genauso wie wir verletzungs- und krankheitsbedingt dezimiert war.“
Und dennoch bleibt eine beeindruckende Serie bestehen: Vier Heimspiele, drei Siege und ein Unentschieden! Auch nach dem vierten Auftritt in der 3. Liga ist der Adlerhorst weiterhin ungeschlagen.
„Wir nehmen mit, dass wir auch in einem weniger guten Spiel etwas Zählbares holen. Wir sind weiterhin ungeschlagen zu Hause und jetzt geht es relativ entspannt zum Favoriten Pfullingen“, blickt Herth bereits auf die nächste Aufgabe.
Auch wenn es diesmal nicht zum nächsten Heimsieg gereicht hat, bleibt die Sporthalle Königswiesen eine Festung. Und spätestens in der zweiten Halbzeit haben die Adler-Fans eindrucksvoll bewiesen, warum der Adlerhorst zu einem echten Hexenkessel geworden ist!

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Text: Romy Mulitze
Bild: Regensburg Adler
