Nach drei Siegen in Folge müssen die Regensburg Adler wieder eine Niederlage hinnehmen. Bei HBW Balingen Weilstetten II unterliegt die personell angeschlagene SG mit 30:38. Nach einem völlig missglückten Start kämpfen sich die Regensburger bis zur Pause auf 15:16 heran, können das Momentum nach dem Seitenwechsel aber nicht nutzen.
Balingen. Die Siegesserie der Regensburg Adler ist gerissen. Nach zuletzt drei Erfolgen in Folge musste sich die Mannschaft von Trainer Benjamin Herth am Sonntag bei HBW Balingen Weilstetten II mit 30:38 geschlagen geben. Dabei erzählt das am Ende deutliche Ergebnis nur einen Teil der Geschichte. Nach einem schwachen Start kämpften sich die Adler eindrucksvoll zurück und waren zur Halbzeit beim 15:16 wieder voll im Spiel. Nach dem Seitenwechsel übernahmen jedoch die Gastgeber erneut die Kontrolle und setzten sich schließlich deutlich durch. Spielbericht HBW Balingen
Erschwert wurde die Aufgabe durch die personelle Situation. Innerhalb weniger Tage mussten die Adler gleich drei schwere Rückschläge verkraften. Kapitän Jakob Kassing fällt mit einem Bruch des Fibulakopfes aus. Dazu kommen die Ausfälle von Abwehrspezialist Johannes Reif, der sich am Freitag am Sprunggelenk verletzte, sowie Dario Feuerriegel, der erneut mit Schulterproblemen zu kämpfen hat.
Fehlstart bringt Adler früh unter Druck
Dass Regensburg zunächst überhaupt nicht in die Begegnung fand, zeigte sich bereits in den ersten Minuten. Balingen erwischte den deutlich besseren Start und führte nach nicht einmal acht Minuten mit 8:1. Beim 9:2 nach elf Minuten drohte die Partie früh eine klare Richtung zu nehmen. Spielbericht HBW Balingen
Herth zeigte sich entsprechend unzufrieden mit der Anfangsphase seiner Mannschaft. „Wir kommen ganz schlecht ins Spiel rein, haben in der Abwehr keinen Zugriff und laufen schlecht zurück. Vorne haben wir keine Tiefe und bringen die Balinger Abwehr nicht in Bewegung“, analysierte der Regensburger Trainer.
Hinzu kam ein starker Balinger Torhüter. Immer wieder scheiterten die Adler auch aus aussichtsreichen Positionen und ermöglichten den Gastgebern dadurch genau das Spiel, das Regensburg im Vorfeld verhindern wollte: schnelle Gegenstöße und einfache Tore.
Starke Reaktion vor der Pause
Doch die Adler fanden zurück. Aus einem zwischenzeitlichen 5:11 wurde zunächst ein 8:11. Anschließend kämpfte sich Regensburg Tor um Tor heran. Tom Weikl verkürzte auf 10:12 und 11:12, Johannes Simbeck stellte auf 12:13 und Lukas Dude erzielte in der 26. Minute schließlich den 13:13 Ausgleich. Spielbericht HBW Balingen
Balingen setzte sich anschließend zwar noch einmal auf 16:13 ab, doch Jonas Schmidt und Jan Brüning-Wolter antworteten. Mit nur einem Treffer Rückstand ging es beim 15:16 in die Kabinen. Spielbericht HBW Balingen
„Vor der Halbzeit haben wir endlich in unser Spiel gefunden und konsequenter gestanden“, sagte Herth. „Da habe ich gehofft, dass der Funke in der Mannschaft aufflammt.“
Auch der verletzte Kapitän Jakob Kassing sah von außen eine Mannschaft, die sich eindrucksvoll in die Partie zurückgekämpft hatte: „Wir waren in den ersten zehn oder 15 Minuten nicht ganz auf der Höhe und nicht ganz wach. Aber dann kämpfen wir uns brutal gut zurück und spielen eine bessere Abwehr.“
Für Kassing war diese Phase trotz der späteren Niederlage ein wichtiges Signal: „Das war richtig geiler Handball. Daran müssen wir uns festhalten und nach vorne gucken.“
Balingen zieht nach der Pause davon
Nach dem Seitenwechsel blieb die Partie zunächst eng. Regensburg antwortete immer wieder auf die Treffer der Gastgeber. Simon Sehnke verkürzte auf 17:18 und wenig später auf 18:19, Johannes Simbeck stellte in der 38. Minute auf 19:20. Die Adler waren damit weiterhin in Schlagdistanz. Spielbericht HBW Balingen
Dann kippte die Begegnung jedoch entscheidend. Während Regensburg offensiv mehrfach nicht zum Torerfolg kam, bestrafte die junge Balinger Mannschaft die Fehler konsequent. Aus dem 20:19 machten die Gastgeber innerhalb weniger Minuten ein 28:19. Die starke Regensburger Aufholjagd aus der ersten Hälfte war damit endgültig zunichtegemacht. Spielbericht HBW Balingen
„Wir haben es leider nicht geschafft, Paroli zu bieten“, sagte Herth. „In der zweiten Halbzeit war es ein ähnliches Bild und Balingen ist wieder weggegangen. Da hat man dann auch gemerkt, dass die Körner nicht mehr gereicht haben, sowohl handballerisch als auch emotional.“
Zu viele Chancen bleiben liegen
Kassing sah vor allem die Chancenverwertung als entscheidenden Unterschied. „Wir haben vorne teilweise super gespielt, aber leider einfach das Tor nicht gemacht. Der Keeper von Balingen war wirklich gut“, sagte der Kapitän.
Genau daraus entwickelte sich die größte Stärke der Gastgeber. Ballverluste und Fehlwürfe bestrafte Balingen immer wieder mit hohem Tempo.
„Wenn so eine junge Mannschaft durch ihr Tempospiel ins Rollen gerät, dann läuft es bei denen einfach“, erklärte Kassing. „Jedes Mal, wenn wir das Tor nicht gemacht haben, haben sie es gnadenlos bestraft. Das muss man ihnen lassen, das haben sie richtig gut gemacht.“
So wuchs der Rückstand in der Schlussphase weiter an. Beim 35:25 waren es erstmals zehn Treffer. Regensburg kämpfte zwar bis zum Ende weiter, konnte die Partie aber nicht mehr drehen. Mit seinem sechsten Treffer stellte Johannes Simbeck schließlich den 38:30 Endstand her. Spielbericht HBW Balingen Spielbericht HBW Balingen
Weikl erneut bester Regensburger Werfer
Erfolgreichster Torschütze der Adler war erneut Tom Weikl mit acht Treffern, darunter zwei verwandelte Siebenmeter. Johannes Simbeck erzielte sechs Tore, Simon Sehnke vier. Auf Balinger Seite ragte David Selinka mit zehn Treffern heraus. Spielbericht HBW Balingen Spielbericht HBW Balingen Spielbericht HBW Balingen
Kassing wollte die Niederlage trotz des deutlichen Endstands deshalb nicht größer machen, als sie war. „Ich finde, das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf nicht wider. Acht Tore sehen am Ende sehr deutlich aus“, sagte der Kapitän. Entscheidend sei letztlich die Chancenverwertung gewesen: „Wir waren der festen Überzeugung, dass wir das Ding reißen können. Aber am Ende war es eine schlechte Abschlussquote und dann gewinnt man so ein Spiel leider nicht.“
Schmerzhafte Ausfälle für die Adler
Für den Regensburger Kapitän ist die derzeitige Situation besonders bitter. Kassing selbst wird seiner Mannschaft aufgrund seines Bruchs am Fibulakopf vorerst nicht auf dem Spielfeld helfen können.
„Das nervt einfach brutal. Ich darf gerade erst einmal zwei Wochen den Unterkörper gar nicht belasten, damit das ordentlich verheilt“, erklärt Kassing. Noch schwerer fällt ihm allerdings die Zuschauerrolle: „Es nervt, die Jungs nicht unterstützen zu können. Natürlich versucht man von außen zu pushen und zu motivieren. Aber ich würde viel lieber auf der Platte stehen.“
Trotz der personellen Rückschläge richtet der Kapitän den Blick nach vorne. Gerade die Reaktion nach dem schwachen Beginn in Balingen macht ihm Mut.
„Ich bin richtig stolz darauf, wie wir die Ausfälle kompensieren und wie die Jungs auf der Platte zusammenstehen“, sagt Kassing. „Was wir in der ersten Halbzeit mit dieser Aufholjagd gespielt haben, war richtig guter Handball. Daran müssen wir uns festhalten.“
Nach drei Siegen in Folge müssen die Adler damit zwar wieder einen Rückschlag hinnehmen. An der bisherigen Bilanz ändert die Niederlage jedoch nichts daran, dass Regensburg als Aufsteiger bereits gezeigt hat, in der 3. Liga mithalten zu können. Jetzt gilt es, die Partie in Balingen aufzuarbeiten und gleichzeitig die personellen Rückschläge als Mannschaft aufzufangen.
Am kommenden Wochenende bietet sich dafür bereits die nächste Gelegenheit. Dann kehren die Adler zurück in die heimische Sporthalle Königswiesen.
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Text: Romy Mulitze
Bild: Hans-Jürgen Krieg

