Adler krönen Heimpremiere mit Sieg in letzter Sekunde

SG Regensburg dreht gegen die HSG Konstanz einen Vier Tore Pausenrückstand und gewinnt vor 400 Zuschauern mit 30:29. Sebastian Simbeck sorgt mit der Schlusssirene für den perfekten Einstand im neuen Adlerhorst.

Dramatischer hätte die Heimpremiere der Regensburg Adler in der 3. Liga kaum verlaufen können. Vor 400 Zuschauern in der Sporthalle Königswiesen setzte sich die Mannschaft von Trainer Benjamin Herth mit 30:29 gegen die HSG Konstanz durch. Dabei lag die SG zur Pause noch mit 13:17 zurück. Den entscheidenden Treffer erzielte Basti Simbeck mit der Schlusssirene und verwandelte die neue Heimspielstätte endgültig in einen Hexenkessel.

Nach dem ersten Saisonsieg eine Woche zuvor in Schwäbisch Gmünd legten die Regensburger damit direkt nach und feierten im ersten Drittligaspiel vor heimischem Publikum den zweiten Erfolg in Serie. Dass dieser ausgerechnet bei der Premiere in Königswiesen auf derart dramatische Weise zustande kam, machte den Nachmittag umso besonderer.

Zunächst bestimmte allerdings Konstanz die Partie. Die Gäste verteidigten aggressiv und stellten Regensburg vor allem im Eins gegen Eins vor große Probleme. Früh musste die SG einem deutlichen Rückstand hinterherlaufen.

„Die Anfangsphase hat nicht so gut ausgesehen. Konstanz hat erwartungsgemäß super im Eins gegen Eins verteidigt und uns da vor große Probleme gestellt“, sagte Herth. Seine Mannschaft sei deshalb „relativ lange einem Rückstand hinterhergelaufen“.

Besonders Lars Michelberger bekam die Regensburger Defensive zunächst nur schwer in den Griff. Der Rückraumspieler erzielte am Ende 13 Treffer und war damit der erfolgreichste Werfer der Partie.

Die Adler ließen sich dennoch nicht abschütteln. Auch als der Rückstand zwischenzeitlich auf fünf Treffer anwuchs, blieb Regensburg in Schlagdistanz und fand mit zunehmender Spieldauer bessere Lösungen. Vor allem das Spiel mit dem siebten Feldspieler brachte mehr Struktur in den Angriff. So gelang es der SG, den Abstand bis zur Pause wieder etwas zu verkürzen. Beim Stand von 13:17 ging es in die Kabinen.

Regensburg dreht die Partie

Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild. Die Adler kamen mit deutlich mehr Energie aus der Kabine, erhöhten die Intensität und gewannen offensiv mehr Zweikämpfe. Auch eine Zeitstrafe unmittelbar zu Beginn der zweiten Hälfte brachte die Hausherren nicht aus dem Rhythmus.

Mit jedem erfolgreichen Angriff wurde es nun auch auf den Rängen lauter. Die Zuschauer spürten, dass die Partie zu kippen begann, und sorgten während der Regensburger Aufholjagd für eine beeindruckende Atmosphäre in der neuen Heimspielstätte.

Johannes Simbeck erzielte in der 39. Minute den Ausgleich, kurz darauf brachte Jonas Schmidt die Adler erstmals an diesem Nachmittag in Führung. Aus einem Vier Tore Rückstand zur Pause war innerhalb weniger Minuten ein völlig offenes Spiel geworden.

„Wir haben die Zeitstrafen vor und nach der Pause gut überstanden und dann so Richtung 40., 45. Minute das Spiel ganz aufgemacht“, erklärte Herth. Seine Mannschaft habe anschließend „leidenschaftlich zusammen geackert“.

Wie sehr die Unterstützung von den Rängen bei dieser Aufholjagd zu spüren war, erlebte auch Tim Vasold unmittelbar hinter der Regensburger Bank. Der Kreisläufer hatte sich auf der Zielgeraden der Vorbereitung das Kreuzband gerissen und war vor dem Spiel bei seinen Mannschaftskollegen in der Kabine.

„Die Halle war richtig laut. Das gibt einem dann auch nochmal einen Kick“, sagte Vasold. Für ihn war die Aufholjagd vor allem Ausdruck einer Qualität, die die Mannschaft schon in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hatte. „Das ist wie in den letzten Jahren ein wichtiger Punkt: die Mannschaftsleistung und der Zusammenhalt untereinander. Man gibt nicht auf.“

Ein Handballkrimi bis zur letzten Sekunde

Nach der ersten Regensburger Führung entwickelte sich eine völlig offene Partie. Beide Mannschaften schenkten sich nun nichts mehr. Die Adler legten immer wieder vor, konnten sich gegen die hartnäckigen Gäste aber nicht entscheidend absetzen. Auch Konstanz ließ sich von der zunehmend lautstarken Kulisse nicht abschütteln und blieb bis in die Schlussminuten in Schlagdistanz.

Als Regensburg in der entscheidenden Phase eine Zeitstrafe hinnehmen musste, nutzten die Gäste ihre Chance und gingen noch einmal in Führung. Doch die Adler behielten die Nerven. Tom Weikl übernahm Verantwortung und sorgte für den Ausgleich. Damit war wenige Minuten vor dem Ende alles angerichtet für eine Schlussphase, die an Spannung kaum noch zu überbieten war.

Eine Schlusssekunde für die Regensburger Handball Geschichtsbücher

53 Sekunden vor dem Ende brachte Weikl die Adler mit 29:28 in Führung. Königswiesen stand Kopf, doch Konstanz hatte noch eine Antwort. Nur neun Sekunden später erzielte Michelberger seinen 13. Treffer und stellte erneut auf Unentschieden.

Herth nahm 27 Sekunden vor Schluss seine letzte Auszeit. Regensburg hatte damit noch einen Angriff, um die historische Heimpremiere tatsächlich mit zwei Punkten zu krönen.

Die Adler spielten die verbleibende Zeit herunter und suchten ihre letzte Chance. Schließlich kam der Ball zu Sebastian Simbeck, der mit der Schlusssirene zum 30:29 traf.

Was folgte, war die große Entladung nach einem Spiel, in dem Regensburg lange einem Rückstand hinterhergelaufen war. Spieler und Bank feierten gemeinsam, auf den Rängen kannte der Jubel kaum Grenzen. Die 400 Zuschauer hatten den Adlerhorst insbesondere in der zweiten Halbzeit zu einem Hexenkessel gemacht und wurden nun mit einem Ende belohnt, das für die SG kaum besser hätte geschrieben werden können.

Der erste Auftritt in der neuen Heimspielstätte endete damit gleich mit einem Moment für die Regensburger Handball Geschichtsbücher: Im ersten Drittligaspiel vor heimischem Publikum gelang der erste Heimsieg, entschieden mit der letzten Aktion der Partie.

„Hinten raus war es ein glücklicher Siegtreffer, aber kein unverdienter“, bilanzierte Herth. „Wir sind sehr, sehr zufrieden und glücklich mit einem Sieg gegen Konstanz, die wirklich auch eine starke Truppe haben.“

Geschlossene Mannschaftsleistung als Schlüssel

Erfolgreichster Regensburger Werfer war Johannes Simbeck mit acht Treffern. Tom Weikl kam auf sechs Tore, Sebastian Simbeck und Jonas Schmidt erzielten jeweils vier.

Eine besondere Auszeichnung gab es nach der Schlusssirene für Tom Weikl. Die Zuschauer wählten den Rückraumspieler zum „Player of the Match“. Die Auszeichnung wurde erstmalig für diese Saison vom Adler Sponsor LVM Versicherung Jürgen Kraus präsentiert. Weikl hatte mit seinen sechs Treffern großen Anteil am Erfolg und übernahm gerade in der dramatischen Schlussphase Verantwortung. Mit seinen beiden letzten Treffern brachte er die Adler zunächst zurück ins Spiel und kurz vor Schluss noch einmal in Führung.

Mindestens genauso entscheidend wie die individuellen Leistungen war an diesem Nachmittag allerdings die Geschlossenheit der Mannschaft. Die Adler ließen sich weder von der schwierigen Anfangsphase noch vom deutlichen Rückstand aus der Ruhe bringen. Selbst als Konstanz die Begegnung in der Schlussphase noch einmal zu drehen drohte, blieb Regensburg bei sich.

Auch Vasold sah darin einen entscheidenden Faktor. Aus seiner Perspektive machte sich nach der Pause zudem die körperliche Arbeit der vergangenen Wochen bemerkbar. „Man hat gemerkt, dass sich das Training und vor allem die Athletik auszahlen. Wir waren spritziger und haben im Angriff viel mehr Zweikämpfe gewonnen.“

Nach dem ersten Drittligasieg in Schwäbisch Gmünd folgt damit direkt der zweite Erfolg. Gleichzeitig hat die Heimpremiere gezeigt, welchen Faktor die Sporthalle Königswiesen für die Adler in dieser Saison darstellen kann. Mannschaft und Zuschauer fanden insbesondere während der Aufholjagd immer stärker zusammen und sorgten für einen Einstand, der weit über die beiden gewonnenen Punkte hinaus in Erinnerung bleiben dürfte.

Herth richtete den Blick nach dem emotionalen Nachmittag dennoch schnell wieder nach vorne. „Darauf lässt sich aufbauen“, sagte der Trainer und machte gleichzeitig deutlich, dass der gelungene Saisonstart für seine Mannschaft kein Grund sein soll, nachzulassen: „Wir bleiben weiter hungrig.“

__________________________________
Text: Romy Mulitze 
Bild: Christian Brüssel