Nach dem starken Einstand beim amtierenden Meister wartet auf die Regensburg Adler bereits die nächste anspruchsvolle Aufgabe in der 3. Liga. Am Sonntag, 6. September, gastiert die Mannschaft von Trainer Benni Herth um 16 Uhr beim HC Erlangen II. Das Duell in der Karl Heinz Hiersemann Halle besitzt für die Regensburger besonderen Derby Charakter, denn es ist eine der wenigen rein bayerischen Begegnungen in der 3. Liga Süd.
Beide Mannschaften gehen dabei mit einer knappen Niederlage aus dem ersten Spieltag in die Partie. Während sich die Adler beim amtierenden Meister SV Salamander Kornwestheim nach einem starken Auftritt mit 36:40 geschlagen geben mussten, verpasste auch der HC Erlangen II die ersten Punkte der neuen Saison nur knapp. Beim TSV Neuhausen/Filder unterlagen die Mittelfranken mit 33:34.
Dass die Adler auch in der neuen Spielklasse mithalten können, haben sie zum Auftakt bereits unter Beweis gestellt. In Kornwestheim führte der Aufsteiger zwischenzeitlich mit drei Toren, ließ sich auch von zahlreichen Unterzahlsituationen und personellen Rückschlägen nicht abschütteln und blieb bis in die Schlussphase in Schlagdistanz. Die Punkte blieben zwar beim Meister, die Leistung brachte den Regensburgern aber wichtige Erkenntnisse und Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.
Einen starken Einstand im Adlertrikot feierte dabei Neuzugang Felix Dettenthaler. „Es hat Spaß gemacht, mit den Jungs nach einer langen Vorbereitung endlich auf der Platte zu stehen“, blickt er auf sein erstes Pflichtspiel zurück. Auch persönlich zieht er ein positives Fazit: „Der Spaß am Handball kommt zurück und ich merke immer mehr, dass ich im Team ankomme.“
Mit dem HC Erlangen II wartet nun allerdings ein Gegner, der bereits seit Jahren in der 3. Liga etabliert ist. Die vergangene Saison beendeten die Mittelfranken auf dem fünften Tabellenplatz. Mit 38:22 Punkten gehörte die Mannschaft zur erweiterten Spitzengruppe der Staffel Süd. Besonders auffällig war dabei die Offensivstärke. 1.043 Treffer erzielte Erlangen in 30 Spielen und damit im Schnitt fast 35 Tore pro Partie.
Eine Besonderheit des Gegners liegt in seiner Rolle innerhalb des einzigen bayerischen Bundesligisten. Die zweite Mannschaft des HC Erlangen bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen der erfolgreichen Nachwuchsarbeit des Vereins und dem Profikader. Erst 2025 sicherte sich die männliche A Jugend des HCE die Deutsche Meisterschaft. Mehrere Talente aus diesem Jahrgang haben inzwischen bereits den Sprung in Richtung Bundesliga geschafft und erste Einsatzzeiten bei den Profis gesammelt.
Entsprechend wartet auf die Adler eine junge Mannschaft mit technisch hervorragend ausgebildeten Spielern, die sich für höhere Aufgaben empfehlen wollen. Dass die Verzahnung zwischen Nachwuchs, Drittligamannschaft und Profikader in Erlangen funktioniert, zeigte sich auch in der vergangenen Bundesligasaison, als junge Talente aus der U23 und dem Nachwuchsbereich ihre Chancen bei den Profis erhielten.
Genau diese Mischung aus Jugend, Qualität und Tempo macht Erlangen II für Sebastian Simbeck gefährlich. „Erlangen ist eine sehr junge, spritzige Truppe, die den Gegner überlaufen und über das Tempo kommen will“, sagt der Regensburger. Entsprechend wichtig werde es sein, schnell umzuschalten und konsequent zurückzuarbeiten.
Simbeck weiß, wovon er spricht. Beim Saisonauftakt in Kornwestheim erwischte der Rückraumspieler einen fulminanten Start in die neue Spielklasse. Mit acht Treffern war er erfolgreichster Torschütze der Adler und wurde zum MVP der Partie gewählt. Trotz seiner persönlichen Leistung richtet er den Blick vor allem auf die Erkenntnisse, die die Mannschaft aus dem ersten Drittligaspiel ziehen konnte.
„Wir haben sehr viele gute Lösungen gefunden, vor allem im Angriff“, analysiert Simbeck. Mit Tempo, Druck und guten Kreuzungen habe man den amtierenden Meister immer wieder vor Probleme gestellt. Genau daran wollen die Regensburger in Erlangen anknüpfen. Gleichzeitig müsse die Mannschaft die Fehler reduzieren, denn bereits beim Auftakt wurde deutlich, wie konsequent diese in der 3. Liga bestraft werden.
Gegen Erlangen wird dabei besonders der Rückzug gefragt sein. „Wir brauchen einen guten Rückzug, dürfen aber trotzdem den Dampf nach vorne nicht verlieren“, gibt Simbeck die Marschroute vor. Neben der körperlichen Schnelligkeit werde es auch darauf ankommen, im Kopf schnell zu sein und die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Dass der HC Erlangen II trotz seines jungen Kaders keinesfalls unterschätzt werden darf, zeigt nicht nur der fünfte Platz der vergangenen Saison. Auch die knappe 33:34 Niederlage zum Saisonstart in Neuhausen unterstreicht, dass erneut mit den Mittelfranken zu rechnen ist.
Verstecken wollen sich die Adler dennoch nicht. Das Spiel beim Meister hat der Mannschaft gezeigt, dass sie auch gegen etablierte Drittligisten ihre Chancen bekommen wird. „Ich glaube, dass wir uns bei einer Topleistung vor keinem Gegner in dieser Liga verstecken müssen. Das hat mir das Spiel am Wochenende noch einmal bestätigt“, sagt Dettenthaler.
Zusätzliche Motivation liefert der Derby Charakter der Begegnung. Mit Erlangen II trifft Regensburg auf einen der wenigen bayerischen Konkurrenten in der Staffel Süd. Für Dettenthaler sind gerade diese Duelle etwas Besonderes: „Ein bayerisches Derby ist immer speziell, besonders gegen Erlangen. Das sind die Spiele, auf die man sich das ganze Jahr freut.“
Nach der intensiven Trainingswoche wollen die Adler nun die Erkenntnisse aus Kornwestheim auf die Platte bringen. Die positiven Ansätze sollen bestätigt, Fehler reduziert und vor allem das eigene Tempospiel erneut konsequent durchgezogen werden.
Das Ziel für die zweite Auswärtsfahrt der noch jungen Drittligasaison ist dabei klar. „Erlangen hat eine junge, talentierte Truppe, aber wir fahren gut vorbereitet los, um die ersten Punkte nach Regensburg zu holen“, gibt Dettenthaler die Richtung vor.
Nach dem mutigen Auftritt beim Meister bietet das bayerische Derby damit die nächste Gelegenheit für die Adler zu zeigen, dass sie in der 3. Liga angekommen sind. Diesmal soll die Leistung allerdings auch mit den ersten Punkten belohnt und mit in die Oberpfalz genommen werden.
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Text: Romy Mulitze
Bild: Lea Platzer
