Was für eine kämpferische Leistung der Regensburg Adler! Trotz eines stark dezimierten Kaders unterliegt der Aufsteiger beim Tabellenzweiten VfL Pfullingen denkbar knapp mit 30:32 (16:18). Mit einem ausgeklügelten Matchplan von Trainer Benjamin Herth bringen die Oberpfälzer den Favoriten gehörig ins Schwitzen. Selbst ein zwischenzeitlicher Sieben-Tore-Rückstand kann die Adler nicht stoppen, die in einer dramatischen Schlussphase noch einmal gefährlich nahe an einen Punktgewinn herankommen.
Herths Matchplan bringt den Favoriten ins Grübeln
Die Vorzeichen für das Auswärtsspiel in der Pfullinger Kurt-App-Halle hätten kaum schwieriger sein können. Verletzungen und Krankheiten hatten den Regensburger Kader erheblich ausgedünnt. Während der VfL mit regelmäßigen Blockwechseln immer wieder frische Kräfte aufs Feld schicken konnte, mussten die Adler nahezu ohne Wechselmöglichkeiten auskommen. Lediglich zwischen den Pfosten konnte Herth rotieren.
Der Adler-Coach hatte sich deshalb etwas Besonderes überlegt: 60 Minuten Angriff mit sieben Feldspielern! Mit langen Angriffsphasen und kontrolliertem Tempo wollten die Regensburger die offensive Pfullinger Abwehr ausbremsen und gleichzeitig ihre Kräfte schonen.
Ein Plan, der erstaunlich gut aufging!
Tom Weikl und Tom Wuka sorgten für die frühe 2:0-Führung, Simon Sehnke erhöhte wenig später auf 3:1. Zwar fand Pfullingen anschließend besser ins Spiel, doch die Gäste hielten dagegen und lagen beim 9:10 in der 19. Minute erneut vorne.
Erst danach gelang es den Gastgebern, sich etwas abzusetzen. Über 13:10 und 18:15 ging es schließlich mit einem 16:18-Rückstand in die Halbzeitpause.
Pfullingens breite Bank macht den Unterschied
Nach dem Seitenwechsel wurde die Begegnung für die Regensburger zunehmend zur Kraftprobe. Die Gastgeber erhöhten den Druck, während das konsequente Sieben gegen sechs höchste Konzentration erforderte. Jeder Angriff verlangte präzise Entscheidungen, denn ein Ballverlust konnte unmittelbar einen Treffer ins verwaiste Tor nach sich ziehen.
Spielmacher Sebastian Simbeck beschrieb die Herausforderung nach der Partie: „Wenn du das 60 Minuten mit den gleichen Rückraumspielern spielst, ist das körperlich vielleicht weniger anstrengend, aber brutal anstrengend für den Kopf. Du musst jedes Mal die richtige Entscheidung treffen, sonst ist das Tor leer.“
Pfullingen nutzte seine Möglichkeiten nun konsequenter und setzte sich über 21:16 und 25:19 bis auf 27:20 in der 42. Minute ab. Spätestens beim 30:23 in der 47. Minute schien die Begegnung entschieden.
Doch die Adler hatten andere Pläne!
Sieben Tore Rückstand? Die Adler geben nicht auf!
Was die Regensburger in der Schlussviertelstunde zeigten, war ein eindrucksvoller Beweis ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit.
Tom Wuka, Sebastian Simbeck und Jan Brüning-Wolter verkürzten innerhalb weniger Minuten auf 30:26. Plötzlich wurde es wieder spannend in der Kurt-App-Halle!
Während Pfullingen zunehmend unter Druck geriet, spielten sich die Adler in einen regelrechten Lauf. Jakob Rümmelein und Tom Weikl brachten die Gäste auf 31:29 heran, ehe Jan Brüning-Wolter gut zwei Minuten vor Schluss sogar zum 31:30 traf.
Aus einer scheinbar aussichtslosen Situation war ein packendes Duell geworden!
Die Gastgeber antworteten zum 32:30, doch die Adler erhielten nach einer Zeitstrafe gegen Pfullingens Lasse Schiemann in der Schlussminute noch einen Siebenmeter. Der Strafwurf fand allerdings nicht den Weg ins Tor. Damit war die letzte Chance auf eine erneute Verkürzung vergeben.
32:30 für Pfullingen! Eine knappe Niederlage, die angesichts der schwierigen Ausgangslage dennoch Mut für die kommenden Aufgaben machte.
Simbeck: „Wir hatten unglaublich viel Spaß auf dem Feld“
Besonders bemerkenswert war für Sebastian Simbeck die positive Stimmung innerhalb der Mannschaft.
„Ich glaube, wir hatten schon lange kein Spiel mehr, in dem wir auf dem Feld so viel Spaß hatten. Wir haben den Gegner brutal genervt“, berichtete Simbeck mit einem Schmunzeln.
Selbst beim deutlichen Rückstand sei die Zuversicht nicht verloren gegangen. „Auch beim 27:20 gingen die Köpfe nicht runter. Jeder hatte noch ein kleines Strahlen im Gesicht. Das war wirklich schön zu sehen und hat uns geholfen, noch einmal zurückzukämpfen.“
Zugleich wertete der Spielmacher die Partie als wichtigen Fortschritt in der taktischen Entwicklung. Das Sieben gegen sechs hatte in der Vergangenheit nicht immer wie gewünscht funktioniert. In Pfullingen gelang es den Adlern jedoch, diese Spielweise über die gesamte Begegnung hinweg umzusetzen.
Herth zwischen Zufriedenheit und verpasster Chance
Auch Trainer Benjamin Herth zog nach dem Abpfiff ein überwiegend positives Fazit.
„Wir können schon zufrieden aus dem Spiel gehen. Pfullingen ist ein sehr starker Gegner, dazu auswärts und mit unserer Kadersituation. Da ist das Ergebnis vollkommen in Ordnung“, erklärte der Adler-Coach.
Dennoch blieb ein wenig Wehmut. „Mit ein bisschen mehr Konsequenz hätten wir vielleicht sogar noch etwas Zählbares mitnehmen können. Andererseits gab es auch Phasen, in denen uns das Spiel etwas aus der Hand geglitten ist.“
Erfolgreichster Regensburger Torschütze war Tom Wuka mit sechs Treffern. Simon Sehnke, Tom Weikl und Jan Brüning-Wolter steuerten jeweils fünf Tore bei, Jakob Rümmelein traf viermal. Auf Pfullinger Seite ragte Lukas List mit neun Treffern heraus, gefolgt von Lasse Schiemann mit sechs Toren.
Zwei wichtige Heimspiele voraus
Nun richtet sich der Blick auf die kommenden Aufgaben im heimischen Adlerhorst. Mit dem TV Bittenfeld II und den Rhein-Neckar Löwen II warten zwei wichtige Begegnungen, in denen die Regensburger wieder Punkte sammeln wollen.
Herth hofft bis dahin auf die Rückkehr einiger zuletzt fehlender Spieler. Erschwert wird die Vorbereitung allerdings durch die aktuelle Hallensituation. Der Mannschaft steht zunächst nur eine gemeinsame Trainingseinheit am Freitag in Erlangen zur Verfügung.
„Wir hoffen natürlich, dass der eine oder andere wieder zur Mannschaft dazustößt und wir mehr Wechselmöglichkeiten haben. Jetzt kommen zwei sehr wichtige Heimspiele, auf die wir uns nacheinander konzentrieren“, blickt Herth voraus.
Auch wenn die Sensation beim Tabellenzweiten knapp ausblieb, haben die Regensburg Adler eindrucksvoll gezeigt, was mit taktischer Disziplin, mannschaftlichem Zusammenhalt und unbändigem Kampfgeist möglich ist. Jetzt gilt es, diesen Schwung mit in den heimischen Adlerhorst zu nehmen!
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Text: Romy Mulitze
Bild: Regensburg Adler
