Was für ein Derby, was für ein Auswärtssieg! Die Regensburg Adler sorgen in der 3. Liga erneut für Furore und bezwingen die Wölfe Würzburg vor 1.109 Zuschauern in der tectake ARENA mit 33:31 (16:13). Trotz zahlreicher Ausfälle zeigt die Mannschaft von Trainer Benjamin Herth eine leidenschaftliche Vorstellung, begeistert mit blitzschnellem Angriffsspiel und feiert den fünften Saisonsieg. Überragender Mann des Abends ist Sebastian Simbeck mit unglaublichen 14 Treffern!

Adler lassen sich von schwierigen Vorzeichen nicht beeindrucken

Nach dem überzeugenden 38:35 Heimsieg gegen den Vorjahreszweiten Heilbronn Horkheim stand für die Regensburg Adler das nächste Highlight auf dem Programm. Im fränkisch-oberpfälzischen Derby gegen die Rimparer Wölfe wollte der Aufsteiger auch auswärts wieder ein Ausrufezeichen setzen. Dass dies ausgerechnet in Würzburg gelingen würde, war angesichts der personellen Situation alles andere als selbstverständlich.

Die Verletztenliste war ohnehin schon lang, dazu kamen unter der Woche mehrere angeschlagene Spieler. Gerade einmal eine halbwegs reguläre Trainingseinheit hatte Trainer Benjamin Herth zur Verfügung. Allerdings waren auch die Wölfe von Verletzungen und Ausfällen geplagt und mussten ihren Kader mit jungen Talenten sowie reaktivierten erfahrenen Spielern ergänzen.

Vor einer beeindruckenden Kulisse entwickelte sich ein intensives Derby, in dem beide Mannschaften um jeden Ball kämpften. Doch die Adler zeigten vom Anpfiff weg, dass sie nicht nach Würzburg gekommen waren, um die Punkte kampflos im Wolfsrevier zu lassen.

Blitzschnelle Adler bringen die Wölfe ins Schwitzen

Allen voran Sebastian Simbeck erwischte einen überragenden Start. Der Rückraumspieler erzielte die ersten beiden Treffer der Partie und hatte nach gerade einmal sechs Minuten bereits viermal getroffen. Die Adler legten ein enormes Tempo vor und stellten die Würzburger Defensive mit ihrem schnellen Angriffsspiel immer wieder vor Probleme.

Besonders das Zusammenspiel zwischen der aggressiven Abwehr und dem blitzschnellen Umschalten funktionierte hervorragend. Die Regensburger machten die Räume eng, eroberten wichtige Bälle und suchten anschließend ohne lange zu zögern den Weg zum gegnerischen Tor. Immer wieder gelang es ihnen, die Wölfe mit ihrem Tempo zu überraschen.

Doch die Gastgeber hielten dagegen. Trotz der frühen Regensburger Führung gelang es Würzburg mehrfach, den Rückstand auszugleichen. Beim 6:6 in der 13. Minute und später beim 10:10 war die Partie völlig offen. Die Adler ließen sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen und fanden immer wieder Lösungen gegen die kompakte Würzburger Defensive.

In der Schlussphase des ersten Durchgangs gelang es den Gästen schließlich, sich erstmals etwas deutlicher abzusetzen. Tom Weikl, Lukas Dude und Jonas Schmidt sorgten mit wichtigen Treffern dafür, dass sich Regensburg einen kleinen Vorsprung erarbeiten konnte. Mit dem Treffer von Weikl kurz vor der Halbzeitsirene ging es schließlich mit einer verdienten 16:13 Führung in die Kabinen.

Adler drehen nach der Pause richtig auf

Nach dem Seitenwechsel schien das Derby zunächst wieder zu kippen. Die Wölfe nutzten zwei Regensburger Zeitstrafen und kämpften sich innerhalb weniger Minuten auf 16:17 heran. Die Stimmung in der tectake ARENA wurde zunehmend hitziger und die Gastgeber witterten ihre Chance.

Doch was dann folgte, war eine der stärksten Phasen der Regensburger an diesem Abend!

Angeführt von Sebastian Simbeck und Tom Weikl spielten sich die Adler regelrecht in einen Rausch. Auch Tom Wuka setzte mit zwei wichtigen Treffern Akzente. Während die Defensive den Würzburger Angriff immer wieder ausbremste, ging es auf der anderen Seite mit hohem Tempo nach vorne. Innerhalb weniger Minuten zogen die Gäste mit einem beeindruckenden Lauf auf 22:16 davon!

Besonders bemerkenswert war dabei die Abwehrleistung. Selbst das Spiel der Wölfe mit sieben Feldspielern verteidigten die Adler konsequent und ließen den Gastgebern kaum Raum zur Entfaltung.

„Unsere Abwehr stand sehr stark. Vor allem in der ersten Halbzeit und zu Beginn der zweiten haben wir die Räume gut geschlossen und auch das Sieben gegen sechs brutal gut verteidigt“, lobte Sebastian Simbeck nach der Partie.

Doch wer dachte, dass die Begegnung damit bereits entschieden war, hatte die Rechnung ohne die Wölfe gemacht. Die Unterfranken kämpften sich vor heimischem Publikum zurück und verkürzten den Rückstand Schritt für Schritt.

Zusätzliche Schwierigkeiten bereitete den Adlern die Rote Karte gegen Lukas Dude in der 47. Minute. Nach seiner dritten Zeitstrafe musste der Rückraumspieler vorzeitig auf der Tribüne Platz nehmen. Für die ohnehin personell gebeutelten Regensburger ein weiterer Rückschlag.

Nervenstarke Adler bringen den Sieg über die Ziellinie

Die Schlussphase entwickelte sich zu einem echten Krimi. Würzburg setzte nun alles auf eine Karte und versuchte mit einer offensiven Manndeckung, den Regensburger Angriff aus dem Rhythmus zu bringen. Die Wölfe erhöhten den Druck und kämpften sich beim 29:31 in der 56. Minute noch einmal auf zwei Treffer heran.

Jetzt waren Ruhe, Übersicht und vor allem Ballsicherheit gefragt. Die Adler mussten gegen die aggressive Deckung Lösungen finden und durften sich keine unnötigen Fehler mehr erlauben.

„In der Endphase wurde es noch einmal kritisch, weil Würzburg auf Manndeckung umgestellt hat. Da waren Ballsicherheit und Ruhe gefragt. Das haben wir aber gut hinbekommen“, erklärte Simbeck.

Und ausgerechnet der Mann, der bereits in der Anfangsphase für Furore gesorgt hatte, machte schließlich den Deckel drauf. Sebastian Simbeck traf in der 59. Minute zum 32:29 und sorgte damit für die Vorentscheidung. Als die Gastgeber noch einmal verkürzten, war es erneut Simbeck, der wenige Sekunden vor Schluss mit seinem 14. Treffer zum 33:30 endgültig für klare Verhältnisse sorgte.

Der abschließende Siebenmeter der Wölfe war nur noch Ergebniskosmetik. 33:31! Auswärtssieg und zwei Punkte aus dem Wolfsrevier. Das heißt Tabellenplatz 4 für die Adler. 

14 Tore! Sebastian Simbeck mit einem Sahnetag

Einen ganz besonderen Abend erwischte Sebastian Simbeck. Mit unglaublichen 14 Treffern war der Regensburger Rückraumspieler von der ersten bis zur letzten Minute der überragende Akteur auf dem Feld. Ob in der Anfangsphase, während des entscheidenden Laufs nach der Pause oder in den letzten Spielminuten: Immer wieder übernahm Simbeck Verantwortung und fand den Weg zum Tor.

Doch auch seine Mitspieler hatten großen Anteil am Erfolg. Tom Weikl steuerte acht Treffer bei und unterstrich erneut seine starke Form. Vor allem aber war es die geschlossene Mannschaftsleistung, die den Unterschied machte.

„Wir haben einen guten Start erwischt und konnten vorne unser Spiel durchziehen. Natürlich waren auch unnötige technische Fehler dabei, aber insgesamt war es eine echt gute Mannschaftsleistung. Da können wir wirklich stolz drauf sein“, bilanzierte Simbeck.

Auf Würzburger Seite war Tim Bauder mit elf Treffern, davon sechs Siebenmetern, erfolgreichster Werfer.

Herth: „Wir sind auf einer guten Euphoriewelle unterwegs!“

Auch Trainer Benjamin Herth war nach dem Schlusspfiff die Freude über den Derbyerfolg deutlich anzumerken. Gerade angesichts der schwierigen Vorbereitung und der angespannten Personalsituation war der Sieg für den Adler-Coach besonders wertvoll.

„Das war wieder eine kämpferisch sehr, sehr starke Leistung der Jungs. Beide Mannschaften waren personell gehandicapt, deshalb war es sicherlich kein handballerischer Leckerbissen. Aber es war ein intensives Spiel auf beiden Seiten vor einer tollen Kulisse“, erklärte Herth.

Besonders stolz war der Trainer darauf, dass seine Mannschaft die Führung über die gesamte Spielzeit behauptete und sich auch in den schwierigen Phasen nicht aus der Ruhe bringen ließ.

„Wir hatten eigentlich das ganze Spiel über die Nase vorn. Ich bin stolz auf die Jungs, dass wir das trotz aller Schwierigkeiten über die Zeit gebracht haben. Wir sind gerade auf einer guten Euphoriewelle unterwegs und die wollen wir natürlich so lange wie möglich weiterreiten.“

Mit dem fünften Sieg im achten Saisonspiel stehen die Regensburg Adler nun bei 10:6 Punkten und setzen ihren beeindruckenden Start in die 3. Liga fort. Der Aufsteiger hat längst bewiesen, dass er auch gegen gestandene Drittligisten bestehen kann.

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Bereits am kommenden Wochenende wartet mit der SG Pforzheim/Eutingen die nächste Herausforderung im heimischen Adlerhorst. Sebastian Simbeck richtet den Blick deshalb bereits nach vorne: „Gegen Pforzheim muss die gleiche Leistung her, damit wir wieder etwas Zählbares mitnehmen können.“

Die Adler haben im Wolfsrevier ihre Krallen gezeigt und zwei wichtige Punkte entführt. Mit fünf Siegen aus acht Spielen setzt der Aufsteiger seinen Höhenflug fort und darf sich voller Vorfreude auf das nächste Heimspiel kommenden Samstag in der Sporthalle Königswiesen freuen!

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Text: Romy Mulitze 
Bild: Regensburg Adler