Zwei Siege in Folge, das nächste Heimspiel vor der Brust und ein Gegner, dessen Tabellenplatz nicht über seine Qualitäten hinwegtäuschen darf: Am Samstag um 20 Uhr empfangen die Regensburg Adler die HSG Albstadt in der Sporthalle Königswiesen. Gegen den noch punktlosen Mitaufsteiger soll der positive Trend fortgesetzt werden.
Regensburg. Was für ein Einstand im neuen Wohnzimmer: Mit dem dramatischen 30:29 gegen die HSG Konstanz feierten die Regensburg Adler am vergangenen Wochenende nicht nur ihren ersten Heimsieg in der 3. Liga, sondern sorgten gemeinsam mit 407 Zuschauern für einen Handballnachmittag, der noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Vier Tore lag die Mannschaft von Trainer Benni Herth zur Pause zurück, ehe sie die Partie mit einer leidenschaftlichen zweiten Halbzeit drehte und Sebastian Simbeck mit der Schlusssirene für die Entscheidung sorgte.
Nach dem 31:27 in Schwäbisch Gmünd war es bereits der zweite Erfolg in Serie. Die Adler haben sich damit nach vier Partien auf 4:4 Punkte und Tabellenplatz sieben vorgearbeitet. Nun wartet mit Albstadt das nächste direkte Duell zweier Aufsteiger.
„Nächster Schritt, nächstes Heimspiel“, gibt Herth die Richtung vor. Die Vorzeichen seien diesmal jedoch andere: „Albstadt hatte bisher noch keine Erfolgserlebnisse, aber die werden ambitioniert nach Regensburg kommen und wir werden wieder gefordert sein.“
0:8 Punkte erzählen nur die halbe Wahrheit
Ein Blick auf die Tabelle könnte zu falschen Schlüssen verleiten. Die HSG Albstadt steht nach vier Partien zwar noch ohne Punktgewinn da, offensiv hat der Aufsteiger seine Drittligatauglichkeit aber längst unter Beweis gestellt.
125 Treffer in vier Begegnungen bedeuten einen Schnitt von 31,25 Toren pro Spiel. Damit liegt Albstadt offensiv gar nicht weit hinter den Adlern, die bislang 128 Treffer und damit durchschnittlich 32 Tore pro Partie erzielt haben.
Das Problem der HSG lag bislang vielmehr auf der anderen Seite des Feldes. 155 Gegentreffer sind aktuell der höchste Wert der Staffel. Für die Adler wird es deshalb darauf ankommen, die eigene defensive Entwicklung fortzusetzen und gleichzeitig die Räume gegen eine Mannschaft zu nutzen, die selbst gerne den Weg nach vorne sucht.
Dass Regensburg offensiv genügend Qualität besitzt, hat die Mannschaft in den ersten Wochen bereits gezeigt. Beim ersten Drittligasieg in Schwäbisch Gmünd verteilten sich die 31 Treffer auf viele Schultern, angeführt von Tom Weikl mit zehn und Jan Wilsdorf mit sechs Toren. Auch gegen Konstanz blieb der Angriff variabel: Johannes Simbeck traf achtmal, Weikl sechsmal, Sebastian Simbeck und Jonas Schmidt jeweils viermal.
Zwei der gefährlichsten Werfer der Liga im direkten Duell
Besondere Aufmerksamkeit dürfte am Samstag Lasse Fuchs gelten. Der Albstädter gehört zu den auffälligsten Torschützen der bisherigen Saison. 28 Treffer nach vier Spielen bedeuten aktuell Rang fünf der Torjägerliste und einen Schnitt von sieben Treffern pro Partie.
Doch auch die Adler haben einen ihrer Leistungsträger weit vorne platziert. Tom Weikl steht mit 26 Treffern auf Rang acht und hat damit nur zwei Tore weniger auf dem Konto. Dahinter folgt Johannes Simbeck mit 23 Treffern auf Rang 13.
Die Zahlen unterstreichen, dass am Samstag zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die trotz ihrer unterschiedlichen Tabellensituation offensiv einiges zu bieten haben. Gerade deshalb wird für Regensburg entscheidend sein, Albstadt gar nicht erst ins Rollen kommen zu lassen.
Kaiser: „Mit Demut und voller Konzentration“
Für Torhüter Bálint Kaiser ist genau das ein wichtiger Punkt. Nach dem emotionalen Heimsieg gegen Konstanz sieht er seine Mannschaft auf dem richtigen Weg, warnt aber gleichzeitig davor, sich vom bisherigen Saisonverlauf der Gäste täuschen zu lassen.
„Am vergangenen Wochenende war es schön, endlich auch vor unseren eigenen Fans auf der Platte zu stehen. Sie haben uns dabei geholfen, schwierige Phasen zu überstehen. Der Sieg gegen Konstanz kann uns als Mannschaft viel Selbstvertrauen geben, aber wir müssen am Wochenende gegen Albstadt mit Demut und voller Konzentration auftreten.“
Besonders die Entwicklung in der Defensive stimmt den Schlussmann positiv. Während die Adler zum Saisonauftakt beim amtierenden Meister Kornwestheim noch 40 Gegentreffer hinnehmen mussten, waren es beim ersten Saisonsieg in Schwäbisch Gmünd nur noch 27. Gegen Konstanz hielt Regensburg den Gegner anschließend bei 29 Treffern.
„Unsere Abwehr kommt immer näher an das heran, was wir uns zu Beginn der Saison vorgenommen haben, und entwickelt sich von Woche zu Woche weiter“, sagt Kaiser. Sein Ziel für Samstag ist entsprechend klar: „Wir wollen den Streak aufrechterhalten und weiter Punkte sammeln.“
Den Adlerhorst weiter wachsen lassen
Für Herth geht es allerdings nicht nur darum, an die spielerischen Leistungen der vergangenen beiden Wochen anzuknüpfen. Vor allem jene Mentalität, mit der sich seine Mannschaft gegen Konstanz trotz eines schwierigen Starts und eines deutlichen Rückstands zurückgekämpft hat, möchte der Trainer wieder auf der Platte sehen.
„Wir müssen einfach in jedem Spiel diese Mentalität und Leidenschaft auf die Platte bringen“, fordert Herth.
Und dann ist da noch ein Faktor, der beim ersten Heimspiel eindrucksvoll gezeigt hat, welche Bedeutung er in dieser Saison bekommen könnte: der Adlerhorst.
407 Zuschauer erlebten die Heimpremiere gegen Konstanz und trugen die Mannschaft insbesondere während der Aufholjagd in der zweiten Halbzeit nach vorne. Nun hofft Herth, dass die Bilder und die Stimmung dieses Nachmittags in Regensburg Lust auf mehr gemacht haben.
„Ich hoffe, dass ein paar Leute das Ergebnis und auch ein bisschen die Vibes von letzter Woche mitbekommen haben und noch ein paar Leute mehr in die Halle kommen“, sagt der Adler Coach. Gleichzeitig hofft er, dass diejenigen, die die Premiere bereits miterlebt haben, am Samstag zurückkehren.
Dabei sieht Herth die Mannschaft selbst in der Pflicht. Eine große Heimkulisse soll keine Selbstverständlichkeit sein, sondern etwas, das sich die Adler mit ihren Auftritten erarbeiten: „Wir wollen uns nach und nach die Heimspielkulisse weiter verdienen, durch gute Leistungen und Punkte, sodass die Halle voller wird und uns zu den Heimsiegen pusht.“
Genau dafür bietet sich am Samstag die nächste Gelegenheit.
Die Adler gehen mit zwei Siegen und wachsendem Selbstvertrauen in das nächste Aufsteigerduell. Albstadt kommt dagegen mit dem großen Willen nach Regensburg, endlich die ersten Punkte der Saison einzufahren. Der Tabellenstand mag die Rollen auf den ersten Blick klar verteilen. Die Offensivzahlen der HSG erzählen jedoch eine andere Geschichte.
Für Regensburg wird es deshalb wieder genau jene Tugenden brauchen, die zuletzt den Unterschied gemacht haben: Konzentration, eine stabile Defensive, Leidenschaft und einen Adlerhorst, der gemeinsam mit der Mannschaft Vollgas gibt.
Am Samstag um 20 Uhr heißt es deshalb wieder: Alle in die Halle und gemeinsam den Adlerhorst zum Beben bringen!
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Text: Romy Mulitze
Bild: Christian Brüssel
