Die Regensburg Adler sind mit einer Niederlage, aber erhobenen Hauptes in ihre erste Saison in der 3. Liga gestartet. Beim amtierenden Meister SV Salamander Kornwestheim unterlag die SG Regensburg am Sonntag Abend mit 36:40. Dabei zeigte der Aufsteiger über weite Strecken eine starke Leistung und machte deutlich, dass er in der neuen Spielklasse keineswegs nur zum Lernen angetreten ist.

Von Beginn an präsentierten sich die Regensburger mutig und temporeich. Nach einem frühen 2:0 der Gastgeber fanden die Adler schnell ins Spiel und drehten die Partie. Über 5:4 und 7:5 erspielte sich die SG zwischenzeitlich sogar einen drei Tore Vorsprung. Vor allem offensiv fanden die Regensburger immer wieder gute Lösungen gegen die Abwehr des Meisters.

„Wir haben uns sehr gut verkauft dafür, dass wir ein Aufsteiger sind und gegen den amtierenden Meister spielen“, befand Adlerspieler Tom Weikl nach seinem ersten Drittligaspiel.

In der elften Minute folgte allerdings ein bitterer Rückschlag. Kreisläufer Simon Sehnke musste nach einer Kopfverletzung das Spielfeld verlassen. Bei ihm wurde eine Gehirnerschütterung festgestellt. Der Ausfall des wichtigen Kreisläufers hinterließ auch im Spiel der Adler Spuren. Kornwestheim nutzte die kurze Schwächephase, kam zurück in die Partie und übernahm erstmals die Führung.

Die Regensburger blieben jedoch dran. Immer wieder gelang es der Mannschaft von Trainer Benni Herth, den Rückstand zu verkürzen. Kurz vor der Pause kam die SG noch einmal auf zwei Tore heran. Die Chance auf den Anschlusstreffer blieb jedoch ungenutzt, unmittelbar danach schlug Kornwestheim erneut zu. Mit einem 19:22 Rückstand ging es für die Adler in die Kabine.

„Wir hatten die Chance, auf ein Tor heranzukommen, machen vorne das Ding nicht rein und kassieren hinten innerhalb von vier Sekunden noch den Abstand auf drei Tore“, sah Weikl darin einen entscheidenden Moment der Partie.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel zunächst offen. Die Adler kämpften sich immer wieder heran und hielten den Meister in Schlagdistanz. Besonders bemerkenswert: Auch in den zahlreichen Unterzahlsituationen ließen sich die Regensburger nicht abschütteln. Immer wieder gelang es ihnen, trotz personeller Unterlegenheit wichtige Treffer zu erzielen und den Rückstand damit überschaubar zu halten.

Dann wurde es für die Regensburger auch personell schwierig. Kapitän Jakob Kassing musste in der 37. Minute nach seiner dritten Zeitstrafe mit Rot vom Feld. Wenige Minuten später folgte mit der direkten Roten Karte gegen Jonas Schmidt der nächste personelle Rückschlag. Doch auch diese Situationen überstanden die Adler mit viel Einsatz und blieben weiter in Reichweite des Meisters.

Gerade in Unterzahl zeigte sich die kämpferische Qualität des Aufsteigers. Kornwestheim hatte mehrfach die Möglichkeit, sich entscheidend abzusetzen, doch die Adler kämpften um jeden Ball und fanden auch mit einem Spieler weniger immer wieder Lösungen. Beim 26:29 nach 46 Minuten betrug der Rückstand weiterhin lediglich drei Tore.

Kornwestheim konnte sich erst in der Crunchtime etwas deutlicher absetzen. Zwischenzeitlich lag der Meister mit sechs Toren vorne, doch die Adler gaben sich noch immer nicht geschlagen. 56 Sekunden vor dem Ende traf Tom Weikl zum 33:38, anschließend verkürzten Johannes Reif und Johannes Simbeck weiter. Beim 36:39 durch Tom Wuka 27 Sekunden vor dem Ende war der Rückstand wieder auf drei Tore geschmolzen. Der letzte Treffer gehörte allerdings den Gastgebern. Christopher Tinti stellte mit seinem Tor zum 40:36 den Endstand her.

„Man muss vor Kornwestheim den Hut ziehen. Sie machen es clever, konsequent und machen ganz wenige Fehler“, resümierte Mannschaftsverantwortlicher Florian Wuka.

Trotz der Niederlage überwog bei den Regensburgern der Stolz auf den eigenen Auftritt. TorhüterBálint Kaiser, der ebenfalls sein Drittligadebüt feierte, brachte es auf den Punkt: „Wir haben gezeigt, warum wir hier in der 3. Liga sind.“ Gleichzeitig weiß der Torhüter, dass der Aufsteiger in der neuen Spielklasse noch einiges lernen wird: „Uns fehlt noch die Erfahrung in der 3. Liga. Aber jedes Spiel wird das besser und besser.“

Dabei bekam die Mannschaft gleichzeitig einen ersten Eindruck davon, wie schnell Fehler in der neuen Spielklasse bestraft werden. „Ein, zwei Ballverluste und man fängt sich sofort einen Konter“, erklärte Weikl. Genau diese Erfahrung wollen die Adler nun für die kommenden Aufgaben nutzen.

Denn trotz der 40 Gegentore zeigte die SG Regensburg beim amtierenden Meister über lange Phasen eine Partie auf Augenhöhe. Der Aufsteiger führte, kämpfte sich nach Rückschlägen immer wieder zurück und blieb bis in die Schlussphase gefährlich. Auch die personellen Rückschläge und zahlreichen Unterzahlsituationen konnten die Adler lange Zeit nicht aus dem Rhythmus bringen. Die Erfahrung des Meisters gab am Ende den Ausschlag.

„Für das erste Spiel haben sie alles reingeschmissen und bis zur letzten Sekunde gekämpft“, lobte Wuka seine Mannschaft. Auch Weikl blickt deshalb optimistisch nach vorne: „Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Wir können gegen alle Mannschaften eine Chance haben.“

Die erste Drittligapartie endet damit zwar ohne Punkte für die Adler, liefert aber wichtige Erkenntnisse und vor allem Selbstvertrauen. Der Aufsteiger hat beim Meister gezeigt, dass er in dieser Liga mithalten kann. Nun gilt es, die Erfahrungen aus Kornwestheim mitzunehmen, die gewonnenen Erkenntnisse in der Trainingswoche umzusetzen und weiter an den eigenen Abläufen zu arbeiten. Der Fokus richtet sich dabei bereits voll auf die nächste Aufgabe.

Am kommenden Sonntag, 6. September, um 16 Uhr geht es für die Regensburg Adler zum HC Erlangen II. Die Mannschaft aus Mittelfranken schloss die vergangene Saison auf dem fünften Tabellenplatz der 3. Liga ab und es wartet damit erneut ein anspruchsvoller Gegner auf die Adler. Für die Regensburger besitzt die Partie zudem Derby Charakter, denn das Duell gegen den HC Erlangen II gehört zu den wenigen rein bayerischen Begegnungen in der 3. Liga. Nach dem starken Auftakt beim amtierenden Meister wollen die Adler die Erkenntnisse aus dem ersten Drittligaspiel nutzen, den nächsten Schritt machen und im Derby die ersten Punkte der Saison in die Oberpfalz bringen.



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Text: Romy Mulitze 
Bild: Daniel Mulitze