Viel anspruchsvoller könnte der Einstand der Regensburg Adler in der 3. Liga kaum ausfallen. Zum Auftakt ihrer ersten Saison in der dritthöchsten deutschen Spielklasse gastiert die SG Regensburg am Sonntag, 30. August, beim SV Salamander Kornwestheim. Anwurf in der Sporthalle Ost ist um 17 Uhr. Mit den sogenannten „Lurchis“ wartet auf den Aufsteiger aus der Oberpfalz der amtierende Meister der 3. Liga Süd.

Die vergangene Saison hat eindrucksvoll gezeigt, welche Qualität in Kornwestheim steckt. Die Mannschaft von Cheftrainer Alexander Schurr krönte eine herausragende Spielzeit mit der Meisterschaft. Im letzten Saisonspiel setzte sich der SVK mit 34:27 gegen die HSG Konstanz durch und machte damit den perfekten Abschluss einer Saison, die in die Vereinsgeschichte einging. Auch während der Spielzeit überzeugten die Lurchis immer wieder mit großer spielerischer Qualität und beeindruckender Moral.

Wie hoch die Messlatte für die Adler zum Saisonstart liegt, zeigte sich bereits am vergangenen Wochenende. Im DHB Pokal empfingen die Lurchis den Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. Der Favorit aus der ersten Liga musste sich in der Kornwestheimer „Hölle Ost“ mächtig strecken. Die Gastgeber erwischten den besseren Start und führten zwischenzeitlich sogar. Zur Halbzeit lagen die Lurchis lediglich mit 15:18 zurück. Auch in der zweiten Hälfte blieb Kornwestheim dran und verkürzte zwischenzeitlich auf 23:26. Am Ende setzte sich der Bundesligist mit 33:29 durch und zog in die zweite Runde des DHB Pokals ein.

Für die Adler ist dieses Ergebnis ein deutlicher Hinweis darauf, was sie am Sonntag erwartet. Kornwestheim hat bereits unter Wettkampfbedingungen gezeigt, dass die Mannschaft auch gegen einen Bundesligisten über lange Phasen auf Augenhöhe agieren kann. Gleichzeitig bietet die Partie den Regensburgern die Möglichkeit, gleich zum Start zu erfahren, wo sie nach ihrer Vorbereitung in der neuen Liga stehen.

„Es ist wirklich ein sehr geiler Test zum Start, wo wir stehen, wenn wir gegen den Letztjahresmeister im ersten Saisonspiel antreten“, sagt Mannschaftskapitän Jakob Kassing. Für ihn und seine Mitspieler ist die Partie ohnehin ein besonderer Moment. „Erstes Drittligaspiel für die Regensburger Adler. Auf jeden Fall etwas ganz Besonderes für uns alle. Wir haben uns das die letzten Jahre hart erarbeitet, dass wir jetzt den Schritt gemacht haben.“

Hinter den Adlern liegen intensive Wochen der Vorbereitung. „Wir haben in der Vorbereitung viel investiert, um auf einen guten handballerischen Stand zu kommen, auch konditionell und krafttechnisch“, erklärt Kassing. Nun soll sich zeigen, wie sich diese Arbeit unter Wettkampfbedingungen in der neuen Spielklasse auszahlt.

Dabei ist den Regensburgern die Qualität des Auftaktgegners durchaus bewusst. „Kornwestheim ist ein Gegner, der die letzten Jahre in der 3. Liga immer im oberen Tabellendrittel abgeschlossen hat, letztes Jahr zuletzt auch auf dem ersten Platz“, sagt Kassing. Auch das Pokalspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen habe gezeigt, „was für eine gute Leistung“ die Lurchis abrufen können.

Cheftrainer Benni Herth blickt ebenfalls mit großer Vorfreude auf den Saisonstart. „Wir freuen uns riesig, dass es jetzt endlich losgeht nach der Vorbereitungszeit. Da fiebert immer jeder dem ersten Spiel entgegen und da sind wir natürlich gleich ordentlich gefordert.“ Die Stärke des Gegners steht für Herth außer Frage. „Die Kornwestheimer haben jetzt im DHB Pokal gegen die Rhein Neckar Löwen ordentlich gezeigt, was sie draufhaben und haben auch in der letzten Saison mit dem Meistertitel gezeigt, was da Sache ist.“

Von einem einfachen Auftakt kann deshalb keine Rede sein. Herth geht die Aufgabe dennoch mit einer klaren Haltung an. „Von daher fehlt mir so ein bisschen die Fantasie, wie man da was mitnehmen kann“, sagt der Trainer mit einem Augenzwinkern. „Aber darum geht es jetzt im ersten Schritt auch gar nicht. Wir können uns gleich mit einem der Top Teams der Liga messen und uns an die Liga gewöhnen.“

Genau darin liegt für die Adler auch eine Chance. Nach dem Aufstieg in die 3. Liga geht es zunächst darum, in der neuen Spielklasse anzukommen und die eigenen Stärken auf das höhere Niveau zu übertragen. „Wir schauen da auf uns, kommen in die Saison, in der Saison an und machen unser Ding. Und dann sehen wir nach 60 Minuten, was da auf der Anzeigetafel steht“, fasst Herth seine Herangehensweise zusammen.

Auch Kapitän Kassing sieht die Ausgangslage positiv. „Wir haben dort überhaupt nichts zu verlieren, können da ganz befreit aufspielen.“ Die Adler wollen die Gelegenheit nutzen, sich gegen einen der Top Gegner der Liga zu beweisen. „Wenn es irgendwie eine Chance gibt, dort mitzuhalten, dann wollen wir die natürlich die ganzen 60 Minuten ausnutzen. Und dann schauen wir am Ende mal, was auf der Anzeigetafel steht.“

Die Ausgangslage verspricht damit ein Duell mit besonderem Reiz. Auf der einen Seite stehen die Lurchis, die nach ihrer Meisterschaft mit viel Selbstvertrauen in die neue Spielzeit gehen und bereits im Pokal gezeigt haben, dass sie auch gegen höherklassige Gegner bestehen können. Auf der anderen Seite stehen die Adler, die nach ihrem historischen Aufstieg erstmals in der 3. Liga auf Punktejagd gehen.

Die Vorfreude in Regensburg ist entsprechend groß. „Bei jedem ist die Vorfreude riesig. Wir haben da richtig Bock drauf und wollen uns dort gut verkaufen“, sagt Kassing. Für die Adler beginnt damit nicht nur eine neue Saison, sondern ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte. Und gleich zum Auftakt wartet mit dem amtierenden Meister ein Gegner, der kaum besser geeignet sein könnte, um zu zeigen, wie weit der Aufsteiger bereits ist.

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Text: Romy Mulitze 
Bild: Lea Platzer