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Handball-Bayernliga Herren | 16. Spieltag, 8.2.2020 | Adler Regensburg – VfL Günzburg 20:26 (13:12)

Spielbericht

Der Fluch der Serie

The trend is your friend – es gibt Freunde, auf die man auch gerne verzichten kann. So für die Regensburg Adler bei der 5. Niederlage in Folge, diesmal gegen den VfL Günzburg. Sichtlich zerzauste Adler verließen gegen 20 Uhr 30 die Spielfläche – wenige Sekunden nachdem Hallensprecher Udo Litzke den Günzburger Schlusspunkt zum 20:26 Endstand vermeldet hatte. Angetreten als All-Blacks, ansonsten ja selbst in Weinrot und Weiß spielend, sollte der Tabellendritte aus Oberschwaben die schwarze Regensburger Serie bereits optisch unterlegt fortsetzen.

Umständehalber mussten die Adler beim Stammpersonal diesmal auf Abwehrspezialist Daniel Mulitze und Außen-Allrounder Tobias Stoiber verzichten. Bereits der Treffer zum Auftakt der Partie sollte den Gästen vorbehalten bleiben, jedoch nur um im Gegenzug von einem verdeckt abgezogenen Meyer-Hüftwurf postwendend egalisiert zu werden. In der Folge setzten die weitgehend aus einer gewachsenen A-Jugend herangereiften Günzburger schnell auf 2:5 ab. Über 5:8 und 7:10 stellte man dann von Gästeseite schnell einen kleinen Komfortvorsprung her, welchen die kampfstarken Adler aus der Domstadt dennoch immer wieder verkürzen konnten. Bestens auf die Günzburger Rückraumwerfer eingestellt sollte der bärenstarke Regensburger Abwehrblock die Gästespieler ein ums andere Mal geradezu zur Verzweiflung bringen. Das zumal in der ersten Spielhälfte eher simpel gestrickte Rückraumspiel der Gäste konnte in dieser Phase alles andere als überzeugen, Sprungwurf um Sprungwurf blieb in den Sira-, Singwald- und Kiener-Armen hängen. Alleine über den Kreis und über beide Außenpositionen vermochten die “Schwarzen” die “Roten” mehrfach zu düpieren und auch der giftig agierende Einser vor der gegnerischen Deckung bereitete einem noch druckvolleren Spielaufbau des Gastgebers immer wieder unübersehbare Probleme. Im Gegenzug gelang es der Heimmannschaft immer wieder den Kontrahenden eben nach geblockten Bällen oder technischen Fehlern mit schnellen Konteraktionen wiederholt in arge Verlegenheit zu bringen. Zusehends schien sich Ratlosigkeit bei Spielern wie Bank der Günzburger breitzumachen, dokumentiert nicht zuletzt in einer Vielzahl überhastet und unvorbereitet genommener Notwürfe. Mehr noch: Beim 11:11 vermochte Marwin Wunder dann mit einem clever gemachten Treffer Gleichstand auf der Anzeigetafel herzustellen. Valentin Deml sorgte wenig später mit einem seiner 4 verwandelten 7 m sogar für eine nicht unverdiente 13:12-Pausenführung der bis dahin überzeugend auftretenden Hausherren. “Gegen Günzburg geht heute was!” – mit diesem Tenor konnten sich die ca. 150 Zuschauer hier noch berechtigte Hoffnung auf ein längst benötigtes Reißen der Regensburger Negativserie machen. Von der starken Leistung ihrer Mannschaft sichtlich angetane und für die 2. Spielhälfte erwartungsvolle Zuschauer sahen demzufolge Selbstbewusstsein wie Zuversicht ausstrahlende Adler-Akteure in die wohlverdiente Halbzeitkabine gehen.

Der Hingucker in der Halbzeitpause: Die Tanzabteilung der Regensburger Turnerschaft sorgte für eine absolut sehenswerte Alternative zum sonstigen Biertrinken, Klobesuch, Herumstehen und Fachsimpeln über das soeben Gesehene. Eine voll engagiert auftretende Mädchentruppe und im Anschluss eine nicht minder ambitionierte Riege reiferer Semester in sportlich-eleganter Turnierausrüstung ließen das Tanzbein zu Melodien von Whitney Houston & Co. schwingen und sich anschließend unter dem verdienten Applaus der Anwesenden vom “Parkett” begleiten. Dieser originell-sportliche “Pausenfüller” war sichtbar nach dem Geschmack vieler Zuschauer und darf in der Kerschensteiner Halle deshalb gerne eine Neuauflage erleben. Danke hier nochmals an die RT!

Zwischen den Halbzeiten positiv zu vermerken auch das entschlossene Engagement von Führungsspieler Singwald mehrere Spieler im Einzelgespräch auf die anstehenden 30 Minuten, sprich eine Fortführung der Leistung der 1. Spielhälfte, einzuschwören. Man wollte auch nach der Pause mit Sicherheit wieder, nur …

Frieder immer wieder: Optisch eher unscheinbar, in der Wurfeffizienz dagegen fast unheimlich legte Günzburgs linkshändiges Riesentalent Frieder Bandlow den Grundstein für den Auswärtssieg der Oberschwaben in der Domstadt. Auf Halblinks, von Rechtsaußen, über die Mittelposition, als 7m-Schütze – wo immer der agile und wurftechnisch versierte Außnahmespieler der Gäste vor der Adler-Abwehr auch auftauchte konnte man seinen Würfen kaum etwas entgegensetzen. 7 Feldtore und 2 von der Linie verwandelte Bälle in Regensburg ließen die Bilanz des nunmehr Alleinführenden in der Bayernliga-Torschützenliste auf 98 Treffer emporschnellen. Beinahe unvermeidlich, dass die Günzburger – zweifellos schweren Herzens – ihren hochbegabten Torgaranten kommende Saison nur noch in den Reihen des kommenden Zweitligisten TV Großwallstadt bewundern dürfen.

Fast alleine den wuchtigen 5 Sprung-, Schlag- und Hüftwurftoren Konstantin Singwalds – zusammen mit Bandlow bester Spieler der Partie – zu verdanken ist andererseits der Umstand, dass man auf Adler-Seite lange zumindest noch in Schlagdistanz zu den Gästen bleiben konnte. Nicht zuletzt auch mit einer starken Abwehrleistung stellte der hinten wie vorne abgeklärt agierende Rückraumkanonier der Adler erneut seine Extraklasse und gegenwärtige Unersetzbarkeit für die Regensburger eindrucksvoll unter Beweis.

Im selben Maß in dem die Torwartleistung der Heimmannschaft nach dem Wiederanpfiff nachließ, vermochte sich das schwäbische Torhütergespann Bieber/Rösch zu steigern und Wurf um Wurf der immer verzweifelter anrennenden Gastgeber zu entschärfen. Das Gehäuse der “Schwarzen” schien mehr und mehr wie vernagelt. Abspielfehler, versemmelte “Freie”, Betreten des Kreises, Fangfehler, zögerliches Abwehrverhalten, oft desolates Überzahlspiel … die Palette an Adler-Defiziten war in der 2. Halbzeit einfach zu groß um dem dort deutlich konstanter, konzentrierter und druckvoller spielenden Tabellendritten in der Schlussphase noch wirklich Paroli bieten zu können. 4 Strafzeiten des Gegners, bei wohlgemerkt keiner eigenen, konnten lediglich zweimal in Torerfolge umgemünzt werden – im Gegenteil, man musste bei eigener Überzahl sogar noch zweimal Gegentore schlucken. Mit 14:13 gelang es den Adlern durch einen Treffer von Tom Wuka letztmals die Führung zu übernehmen. Doch bereits im Gegenangriff bescherte ein auf Halbrechts schlampig in die Hände des darauf bereits lauernden Bandlow geworfener Ball augenblicklich wieder den Gleichstand. Trotz hierauf erneutem 3-Tore-Rückstand schaffte es das Team in den weinroten Trikots sich abermals heranzukämpfen und durch eine dynamische Aktion von Lukas Heinle – letztmals – den Gleichstand (17:17) wiederherzustellen. Eigentlich hätte dieser Kraftakt ein Aufbruchssignal zum Nachlegen sein sollen – jedoch musste sich die Regensburger Anhängerschaft anschließend genau vom Gegenteil überzeugen. Unaufhörlich zogen die Günzburger danach mit 4 Treffern in Serie dem Gastgeber zum 17:21 davon. Zum wiederholten Mal war damit eine Partie faktisch bereits 15 Monuten vor Spielende gegen die Adler gelaufen. 8 Minuten vor Schluss nahm VfL-Trainer Gábor Czakó nochmals eine letzte Auszeit für letzte Anweisungen – offenbar mit Erfolg, denn fortan spielte seine Truppe die Partie völlig ungefährdet nach Hause. Die letzten sporadischen Erfolgserlebnisse des Gastgebers sollten schließlich kaum mehr als einer dürftigen Ergebniskosmetik bis zum klaren Entstand von 20:26 dienen.

Ganz stark begonnen, dann ganz stark nachgelassen – wie eine gespenstischer Fluch lässt sich diese Blaupause auch diesmal wieder über die wechselvolle Halbzeitenleistung der Adler legen. Mit Ausnahme einer durchaus akzeptablen Leistung von Rechtsaußen Marwin Wunder (3 Tore) konnte abermals die restliche rechte Angriffsseite nicht überzeugen und brachte insgesamt nur kümmerliche 2 Tore zustande. Wie schon so oft in dieser Saison gelang auch diesmal wieder über lange 60 Spielminuten nur ein einziges (!) Tor über den Kreis – zweifellos eine der, wenn nicht DIE Hauptbausstelle im Regensburger Angriffsspiel. War die Trefferstreuung über die gesamte Partie noch über annehmbare 8 Torschützen verteilt, so verdeutlicht genaueres Hinsehen, dass hierbei 5 der Torschützen nicht über 2 Tore hinauskamen, die Günzburger Abwehr damit faktisch nur gegen kaum mehr als 3 Adler-Spieler wirklich verteidigen musste. 13:12 gegenüber 7:14 bedeuteten nicht zum ersten Mal eine nach der Pause zertrümmerte Hoffnung, welche in der ersten Spielhälfte noch so vielversprechend geschürt worden war. Wieso und warum im Verlauf der zweiten Halbzeit erneut ein merklicher und erneut letztlich spielentscheidender Leistungsabfall bei den Adlern zu verzeichnen war? Man scheint es einfach nicht auf die Reihe zu bekommen, zwei qualitativ auch nur einigermaßen gleiche Halbzeiten abliefern zu können. Eine essentielle Frage, mit welcher sich die Verantwortlichen der Regensburger Spielgemeinschaft diese Saison nicht zum ersten Mal konfrontiert sehen. Am Machen und Tun, sprich Einsatzwillen und Laufbereitschaft der einzelnen Spieler lag es auch am Samstag zweifellos wieder nicht – nur mit Rennen und Kämpfen alleine holt man in der höchsten bayerischen Spielklasse halt keine Punkte. Die Gründe – und damit gleichzeit auch Verbesserungen – müssen demnach an anderer Stelle gesucht werden. Von Beobachtern der Partie wurde anschließend schon zynisch geflachst, beim Verband künftig nurmehr eine erste Halbzeit zu beantragen. Nach Spielende schien nicht zuletzt auch den Regensburger Verantwortlichen eine gewisse Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben.

Ohne damit den völlig verdienten Günzburger Sieg irgendwie in Frage stellen zu wollen: Bereits auch vom (ohnehin wohlwollenden) Spielbericht des Gegners attestiert fiel die Niederlage mit 6 Toren Differenz für den Gastgeber dann doch etwas zu hoch aus und spiegelte nicht ganz den tatsächlichen, insgesamt weniger großen Leistungsunterschied an diesem Samstagabend wieder. Objektive Spielbeobachter schließen sich dieser Betrachtungsweise gerne an, freilich ohne damit an dem erneuten doppelten Punktverlust rütteln zu können.

Nicht mehr “alles jut”: Das übliche anschließende Interview mit beiden Trainern erlebte einen (ungewohnt) sichtlich angefressenen Adler-Trainer, welcher dem Umfeld die (kontrovers aufgenommene) Empfehlung gab, bei der Beurteilung derartiger Niederlagen nicht die wiederholten personellen Komplettumbrüche der letzten Jahre außer Acht zu lassen. Ohne freilich Haupt- oder gar Alleinschuldiger für Pleitenserien sein zu müssen, steht dennoch nun mal – wie überall – die Bank einer Mannschaft in der letztendlichen Hauptverantwortung für den sportlichen Erfolg.

Melancholisch blickte der Vollmond auf die Kerschensteiner Halle herab. Augenzeugen berichten, sie hätten ein Murmeln von oben herab vernommen: “Etz reißts eich amal wenigstens nächste Woch in Rimpar zamm!” (?) Der Vollmond kann im Würzburger Vorort dann naturgemäß schon nicht mehr Zuschauer sein.
Torschützen waren:
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